Aktuelle Stellungnahme zur Haltung der Schimpansen Bally und Limbo im Zoo Krefeld

Aktuelle Stellungnahme zur Haltung der Schimpansen Bally und Limbo im Zoo Krefeld

Dr. Ulrike Beckmann

Dr. med. vet. Ulrike Beckmann

Bally und Limbo überlebten den Brand des Affenhauses im Zoo Krefeld

Bild: Petra Suzuki

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In der Silvesternacht 2019/20 brannte das Affenhaus im Zoo Krefeld vollständig ab. Die Katastrophe kostete mindestens 30 Tiere, darunter 8 Menschenaffen, das Leben. Die Tiere waren in der Silvesternacht nicht beaufsichtigt. Wie durch ein Wunder überlebten zwei Schimpansen, Bally und Limbo: Ihre körperlichen Verletzungen konnten heilen, welche psychischen Schäden sie davongetragen haben, ist nicht bekannt. Seitdem leben sie in einem hinteren Raum der Gorillaanlage, dessen Beschaffenheit die Mindestanforderungen an ihre Haltung weit unterschreitet. Durch Ausstattung mit ‚Enrichment‘ (bereichernde Gegenstände) mag diese Unterbringung für eine begrenzte Zeit als Provisorium hinnehmbar gewesen sein. Diese Zeit ist jedoch längst überschritten, denn die beiden Schimpansen befinden sich seit nunmehr 19 Monaten ausschließlich in diesem viel zu kleinen und fensterlosen Raum.

Schon seit dem Sommer 2020 wird dieser Zustand von Tierschutzorganisationen um das Great Ape Project (GAP) erfolglos kritisiert.

Sechs Tierschutzorganisationen forderten am 12. Januar 2021 das Veterinäramt der Stadt Krefeld auf, diese tierschutzrechtlich relevante Haltung zu beenden. Der Zoo Krefeld kündigte mehrere Male an, man bemühe sich um die Unterbringung der beiden Menschenaffen in einem anderen geeigneten Zoo.

Mitte Januar 2021 fand eine Zoom-Konferenz zu diesem Thema statt, an der Dr. Jane Goodall, der Krefelder Zoodirektor Dr. Wolfgang Dreßen und Vorstandsmitglieder des Jane Goodall Instituts teilnahmen. Dr. Dreßen versprach, innerhalb von zwei Wochen einen westeuropäischen Zoo zu benennen, der die beiden Schimpansen übernehmen wolle. Dies ist bis heute nicht geschehen. Trotz mehrmaliger Nachfrage erhielt das Jane Goodall Institut Deutschland keine befriedigende Auskunft darüber, was nun tatsächlich mit Bally und Limbo geschehen werde – und vor allem: wann.

Dr. Jane Goodall selbst äußerte sich nun dazu wie folgt:

„In einem Zoo geschieht manchmal etwas mit einer Gruppe von Schimpansen: Ein Feuer bricht aus oder eine Krankheit und am Ende bleiben anstelle einer gesunden Gruppe von Affen oder auch anderer Arten nur ein oder zwei Individuen übrig. Solange der Zoo die überlebenden Tiere nicht wieder artgerecht unterbringen kann, sollten sie – selbst wenn das nur von beschränkter Dauer ist – in einem anderen Zoo untergebracht werden, der ihnen das soziale Umfeld gewähren kann, das sie brauchen.“

Dr. Jane Goodall DBE, 2. Mai 2021

Im Juni 2021 gab der Zoo Krefeld bekannt, die Schimpansen blieben nun doch in Krefeld. Man habe den Bau eines provisorischen Außengeheges innerhalb der Gorillaanlage geplant. Vor Ende des Jahres sei aber mit einer Verwirklichung nicht zu rechnen. Die Möglichkeit, sich das erste Mal seit Jahrzehnten im Freien aufhalten zu können, stellt zwar eine Verbesserung der Lebensbedingungen für Bally und Limbo dar. Zieht man aber unsere klimatischen Verhältnisse in Betracht, wird ein Außengehege allein an der Gesamtsituation für Bally und Limbo nicht sehr viel ändern. Die Unterbringung von Bally und Limbo im Zoo Krefeld hat längst die akzeptable Spanne eines Provisoriums überschritten. Wir fordern den Zoo Krefeld erneut auf, diesen Zustand umgehend zu ändern und den beiden Schimpansen zu einem ein angemessenen räumlichen und sozialen Umfeld zu verhelfen.

Der Vorstand des Jane Goodall Institut Deutschland e.V.

* Gutachten über Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft von 2014.

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