Banner International Day of Peace 21 September 2020 - un.org/peaceday

Internationaler Weltfriedenstag am 21. September 2020

Der internationale Weltfriedenstag am 21. September, den die vereinten Nationen 1981 offiziell ausriefen, ist traditionell auch eine Art Feiertag für unser Kinder- und Jugendprogramm Roots & Shoots. Denn das, was an diesem Tag gefeiert wird, ist letztlich das, wonach ein jedes Roots & Shoots Projekt strebt: Einen Beitrag für Mensch, Tier und Umwelt zu leisten und so zum ganzheitlichen Frieden beizutragen. Im Vordergrund steht dabei zunächst der Frieden zwischen Nationen und Völkern und die gewaltfreie Verständigung. In diesem Jahr wird außerdem die Gründung der Vereinten Nationen vor 75 Jahren gefeiert. Um Frieden zu schaffen braucht es Toleranz und Verständigung in vielen Fällen auch Veränderung. Immer wieder muss um den Frieden gekämpft werden und an so vielen Orten in der Welt sehen wir, dass er noch nicht erreicht wurde oder wieder zerbrochen ist.

Doch ist Frieden nicht eigentlich noch mehr? Im Grunde ist er allgemein das tolerante verständnisvolle Miteinander zwischen Menschen. Jeder einzelne erlebt Frieden und Unfrieden. Schon ein Streit kann zum Unfrieden führen, und man ist eigentlich bestrebt, den Zustand des Friedens durch Versöhnung wieder herbeizuführen. Das ist jedenfalls meistens so. Der Frieden ist auch gerade, weil er oft nicht gelingt, für den Menschen erstrebenswert. Alle Religionen rufen zum Frieden auf und halten ihn als hohes Gut. Doch wenn man den Friedensgedanken weiterdenkt, geht er noch weiter. Frieden und Toleranz bezieht sich auch auf den Umgang mit sonstigem Leben.

Das Quälen von Tieren jeglicher Art, die unnachgiebige Zerstörung von Lebensräumen, all das trägt zum Unfrieden bei. Da merkt man dann eigentlich recht schnell: Der maßvolle, respektvolle Umgang zwischen Menschen, Tier und Umwelt ist letztlich das, was zu einem großen, einem ganzheitlichen Frieden führt. Somit steht dieser Tag genau für den Grundgedanken, den wir in all unseren unterschiedlichen Roots & Shoots Projekten verfolgen. Deshalb ist auch Dr. Jane Goodall, die ja UN-Friedensbotschafterin ist, dieser Tag so besonders wichtig. Das diesjährige Motto zu diesem Tag passt auch zur Philosophie von Roots & Shoots: „Shaping Peace together“ bedeutet übersetzt: Lasst uns den Frieden gemeinsam formen. Dieser Aufruf zeigt noch einmal deutlich, dass Frieden jeden etwas angeht, und wir ihn nur gemeinsam erreichen können. Wir alle sollten jeden Tag in unserer unmittelbaren Umgebung dazu beitragen, Frieden jeglicher Art zu schaffen. Wir dürfen aber an diesem Tag nicht nur den Frieden feiern, sondern wir feiern auch das, was wir durch Roots & Shoots erreichen konnten. Wir feiern aber auch das Gute im Menschen und die Hoffnung, dass doch nicht alles verloren ist, und der Mensch sich immer noch zum Positiven ändern kann. Wir sollten auch einmal das Gute dagegenhalten und auf die Menschen schauen, die sich mit unterschiedlichen Taten tagtäglich für das Gute einsetzen und so unsere Welt trotz allem Negativen zu einem besseren Ort machen. Manch einer von uns darf sich auch dazuzählen.

Zeichnung Jane Goodall und Kinder pflanzen Hoffnung

Traditionell ziehen an diesem Tag Roots & Shoots Gruppen mit selbstgebastelten Friedenstauben umher oder singen das Lied „Circle the world“ von Dana Lyons. Natürlich wird dies in diesem Jahr durch das Corona-Virus nur in bedingtem Rahmen möglich sein. Dennoch möchten wir euch dazu einladen, den Weltfriedenstag zu feiern. Ganz individuell für euch. Denkt an das, was ihr Gutes erreichen konntet, an die Momente, in denen ihr Frieden selbst erlebt habt. Die Bastelanleitung für die Friedenstauben und den Liedtext von „Circle the world“ könnt ihr unter diesem Text finden. Wer mag, kann uns ein Bild von sich mit der gebastelten Friedenstaube an roots&shoots@janegoodall.de schicken. Wir stellen das Bild dann auf unsere Facebookseite.

Wir wünschen euch allen einen schönen Tag, feiert für euch ganz persönlich den Frieden und freut euch über das, was ihr persönlich zu diesem Frieden beitragen konntet. Gerade in solchen ungewissen Zeiten gibt dies neue Hoffnung!

Euer Roots & Shoots Team

Unsere hausinterne Wespe Tessina

Die Wespen sind los!

Wir erklären Euch, warum Wespen so wichtig sind und wie man gut mit ihnen auskommt.

Der Hochsommer ist für viele von uns die schönste Zeit des Jahres. Die Wärme und der Sonnenschein locken uns alle nach draußen. Sehr gerne sitzt man dann auch beim Essen draußen. Ein Eis oder eine herzhafte Mahlzeit im Freien machen den Sommertag perfekt. Doch damit sind wir dann häufig nicht allein. Ab Ende Juli bis in den Herbst hinein ist die Hauptsaison für aufdringliche Wespen und die können so ein gemütliches Essen an der frischen Luft massiv stören. Hat eine Wespe die Köstlichkeiten erstmal entdeckt, gesellen sich oft noch gleich weitere Artgenossen hinzu. Das Problem dabei ist: Wespen werden bei hektischen Bewegungen um sie herum schnell aggressiv und können dann stechen. Das wird vor allem für die Menschen zum Problem, die allergisch auf Wespenstiche reagieren. Bei alldem kann man leicht denken, dass Wespen zu nichts taugen und nur Ärger machen. In Wirklichkeit sind sie wichtiger, als wir denken und lange nicht alle über einen Kamm zu scheren. Wir erklären euch, warum Wespen für unsere Umwelt eine nützliche Rolle einnehmen und auch, wie ihr euch vor ihnen schützen könnt.

Was man über die Wespe wissen sollte.

In Deutschland kommen mehr als 630 Wespenarten vor, zu denen auch die friedfertigen Hornissen zählen. Bei uns tauchen nur zwei Arten als ungebetene Gäste an unseren Esstischen auf: die Gemeine Wespe und die Deutsche Wespe. Alle anderen Wespenarten, wie die sächsische Wespe oder die gallische Feldwespe interessieren sich gar nicht für unser Frühstück. Sie bevorzugen Blütennektar und andere kleine Insekten. Damit stehen sie, was das Bestäuben von Blüten angeht, den wesentlich beliebteren Bienen in nichts nach.

Aber auch die zwei „nervigen“ Wespenarten machen sich nützlich, unter anderem durch das Besäuben von Blüten. Während der Aufzucht ihrer Brut zeigen sie sich selten an unseren Esstischen. Hierzu benötigen sie eiweißreiche Nahrung, für die sie Fliegen, Raupen, kleine Spinnen und Blattläuse, sowie Baumschädlinge jagen. Dadurch sind Wespen natürliche Schädlingsbekämpfer, was sie bei Förstern sehr beliebt macht. Bei der Fütterung scheiden die Larven ein Sekret aus, wovon sich die fütternden Wespen ernähren können. Die Aufzucht der Brut endet ungefähr Anfang August. Erst ab diesem Zeitpunkt sind die Wespen dann auf der Suche nach energiehaltiger Nahrung für sich selbst. Dafür bevorzugen sie süße Nahrungsmittel in Form von z.B. Fallobst oder eben den süßen Leckereien auf unseren Tischen.

Wie wir am besten mit Wespen umgehen.

Auch wenn wir uns von ihnen gestört fühlen, sollten wir die Wespen nicht einfach erschlagen. Sie stehen nämlich, wie auch Bienen und Hummeln, unter Naturschutz. Auch sollte man sie nicht anpusten, da das Kohlendioxid in der Atemluft sie in Alarmbereitschaft versetzt. Es gibt andere Methoden, um sich vor den ungebetenen Gästen zu schützen. Eine Möglichkeit ist es, die Wespen mit einer mit Wasser gefüllten Sprühflasche zu besprühen. Das imitiert Regen, was die Wespe dazu veranlasst, in ihr Nest zu fliehen. Diese Methode funktioniert jedoch nicht immer zuverlässig. Eine bessere Methode ist, die erste kommende Wespe mit einem umgestülpten Glas zu fangen und erst wieder freizulassen, wenn der Tisch abgeräumt ist. So vermeidet man, dass diese erste Wespe beim zweiten Anflug ihre Kollegen mitbringt.

Eine weitere gängige Methode ist der „Wespenteller“. Man stellt in einiger Entfernung zum Essplatz einen Teller mit süßen Kostproben (Marmelade oder etwas überreifem Obst) bereit, an denen die Wespen sich bedienen können. Generell sollte man sich in der Nähe von Wespen ruhig verhalten, um sie nicht zu stressen und aggressiv zu machen. In der Regel sind sie friedliche Zeitgenossen, die nur stechen, wenn sie sich bedroht fühlen. Hat eine Wespe dennoch zugestochen, sollte man den Stich gut kühlen. Auch Essig, Zwiebelsaft, Zitronensaft, Spitzwegerichblätter oder zerriebene Tomatenblätter können Schmerzen, Juckreiz oder Schwellungen lindern.

Achtung! Gläser und Flaschen sollten jederzeit abgedeckt werden, wenn sie auf dem Tisch stehen. Häufig landen Wespen in Getränken, die dann versehentlich verschluckt werden können. In diesem Fall sollte man sofort den Notarzt kontaktieren, da ein Wespenstich im Hals durch das Anschwellen zum Ersticken führen kann.

Das Wespennest.

Wespen bauen ihre Nester gerne an Häusern. Typische Orte sind unter dem Dach oder in Rollladenkästen. Grundsätzlich gilt: Keine Panik! Wichtig ist es, die Wespen nicht zu stören. Wenn man nicht direkt in ihre Flugbahn läuft und abends kein Licht bei geöffnetem Fenster macht, hat man in der Regel seine Ruhe. Sollte es doch Probleme geben, kann man sich bei der örtlichen Naturschutzbehörde informieren. Eine Fachkraft kann ein Wespenvolk eventuell auch umsiedeln. Ohnehin sterben die Wespen nach dem ersten Frost ab. Erst dann kann und sollte man das Nest entfernen. Alte Nester werden nie neu bevölkert. Wenn jedoch Überreste des Nestes zurückbleiben, kann dies im nächsten Jahr eine neue Königin dazu verleiten, an der „bewährten“ Stelle ein neues Nest zu bauen.

Wespennester sind ästhetische und kunstvolle Gebilde. Sie bestehen aus einer papierähnlichen Substanz, welche die Wespen aus morschem Holz und Speichel herstellen. Es lohnt sich, entfernte Nester im frühen Winter einmal genauer zu betrachten.

Generell gilt: Niemand muss Wespen mögen! Man sollte sich aber ihre Nützlichkeit bewusst machen. Auch die vermeintlich nervigen Wespenarten nehmen im Ökosystem eine wichtige Rolle ein, weshalb man sie respektieren und schützen sollte.

Wenn Du selbst etwas tun willst, beispielsweise selbst dazu beitragen möchtest die Artenvielfalt in deiner Stadt zu erhalten – informiere Dich bei uns, ob es in Deiner Stadt bereits eine aktive Roots & Shoots Gruppe gibt oder gründe selbst eine Gruppe mit Deinen Freunden, in der ihr eure Wünsche verwirklichen könnt. Wir helfen Euch dabei!

Ein Schimpanse hangelt an zwei Ästen eines Baumes und blickt in Richtung Horizont

Richtigstellung zur Diskussion um den Neubau des Affenhauses im Zoo Krefeld.

Das Jane Goodall Institut Deutschland erhebt ausdrücklich Einspruch gegen die Behauptung, Jane Goodall unterstütze den Neubau des Affenhauses in Krefeld.

„Zoos sind nicht per se schlecht. Tiere können dort sehr glücklich sein, vor allem, wenn sie dort geboren wurden.“

Diesen einfachen Satz aus einem Interview des Magazins „Der Spiegel“ Nr.31/25.7.2020 formuliert die Rheinische Post um zu der Behauptung:

„Jane Goodall stützt die Wiederaufbaupläne des Zoos…….“ (27.7.2020, Online)

Daraufhin folgt die Westdeutsche Zeitung mit: “ Affen-Forscherin Jane Goodall stärkt Krefelder Zoo den Rücken“ (28.7.2020, Online)

Diese Art der Interpretation halten wir weder für gerechtfertigt noch nachvollziehbar und fordern deshalb im Namen von Dr. Jane Goodall eine sofortige Richtigstellung.

Seit Jahrzehnten kämpft Jane Goodall dafür, nicht einzelne Arten, sondern ganze Lebensräume mit ihren Ökosystemen unter Schutz zu stellen und die Bevölkerung vor Ort einzubeziehen und zu unterstützen.

In diesem Sinne könnte man die veranschlagten 20 Millionen wesentlich wirksamer  für den Artenschutz einsetzen als für den prestigeträchtigen Neubau des Affenhauses im Krefelder Zoo. Wenn es aber um die Haltung von Tieren in Zoos geht,  sagt Jane Goodall immer wieder:  

„…wir können sie nicht fragen, deshalb müssen wir sie sorgfältig beobachten, immer! „

Die Brandkatastrophe hat gezeigt, dass im Affenhaus des Krefelder Zoos in der Silvesternacht – einer Ausnahmesituation für jedes empfindsame Tier – ganz offensichtlich niemand die in jeder Hinsicht wertvollen Menschaffen beobachtet bzw. überwacht hat. Dies bedeutet: In jener Silvesternacht war nicht einmal der Tierschutz gewährleistet.

Jane Goodall ist nicht gegen Zoos, sie erlaubt sich nur eine differenzierte Haltung, die aus einer jahrzehntelangen Erfahrung erwächst, wie sie keiner sonst vorweisen kann. Sie hat einen pragmatischen Ansatz, der gute Entwicklungen befürwortet, die dem Wohlbefinden der Tiere dort dienen, anstatt pauschal gegen Zoos zu argumentieren. Das hat im Laufe der Zeit viel mehr Wirkung gezeigt als vehementes Contra.

Bei aller Kontroversität sollten wir auch noch einmal innehalten und den gefährdeten Arten, um die es doch eigentlich gehen sollte, mehr Respekt entgegenbringen. 

Wir können bei ihrer Zoo-Haltung weiter nach Verbesserung streben, aber wir werden keinen idealen Zustand erreichen. Wir sollten uns nicht in der Allmacht wähnen, für Menschenaffen im Zoo ein Reservoir aufbauen zu können, mit dem wir artenarme und geschädigte Lebensräume einfach wieder auffüllen. Die Lebensräume selbst müssen erhalten werden.

Diese Mahnung möchten wir im Sinne von Janes Lebenswerk hören lassen.

Dr. Ulrike Beckmann und das Team des Jane Goodall Institut Deutschland

Update vom 4.8.2020: Anfang dieser Woche gab es ein sehr offenes und konstruktives Gespräch mit Dr. Dreßen, dem Krefelder Zoodirektor. Geplant ist ein Dialog zwischen dem Jane Goodall Institut und dem Zoo Krefeld, der in Zukunft im Interesse der Schimpansen in Zoohaltung und gleichzeitig der Unterstützung ihrer Artgenossen in den afrikanischen Auffangstationen sowie dem Schutz ihrer  ursprünglichen Lebensräume geführt werden wird.

Gombe 60 Logo - Jane mit Fernglas im Gombe Stream Nationalpark

#Gombe60 – Das bedeutet 60 Jahre bahnbrechende Forschungen, Innovationen und Hoffnung.

Am 14. Juli 2020, dem Weltschimpansentag, feiert das Jane Goodall Institut das 60. Jubiläum jenes historischen Tages, an dem die wohl berühmteste Umweltaktivistin unseres Planeten mit ihrer bahnbrechenden Studie über das Verhalten von Schimpansen in freier Wildbahn begann – im Dschungel des „Gombe Stream Natural Reserve“, am Ufer des Lake Tanganyika, im heutigen Tansania.

Damals versuchte Jane Goodall monatelang – zunächst weitgehend vergeblich – das Vertrauen der scheuen Schimpansen zu gewinnen, ganz allein streifte die damals gerade mal 26 Jahre junge Frau Tag für Tag beharrlich durch den gefährlichen Regenwald. Endlich, im November 1960, konnte Jane beobachten, dass Schimpansen nicht nur Werkzeuge benutzen, sondern sie auch selber herstellen.  Diese Entdeckung war eine absolute Sensation, denn sie stellte das Bild, das der Mensch bis dahin von sich selbst hatte, auf den Kopf: Nur der Mensch sei in der Lage,  Werkzeuge zu ersinnen und auch herzustellen, und deshalb sei er natürlich die „Krone der Schöpfung“…

„Jetzt müssen wir entweder das Werkzeug neu definieren oder den Menschen – oder wir müssen die Schimpansen zu den Menschen zählen.»,

schrieb damals Louis Leakey, berühmter Paläoanthropologe und Janes wissenschaftlicher Mentor in einem Gratulations-Telegramm.  Leakey war es, der Jane dazu animiert hatte – gemeinsam mit den Forscherinnen Diane Fossey bei den Gorillas, sowie Birute Galdikas bei den Orang Utans – eine Langzeituntersuchung über das Verhalten von Menschenaffen in der Wildnis durchzuführen: Louis Leakey hoffte, auf diesem Wege den „missing link“ zwischen dem modernen Menschen und den Ur-Menschen zu finden, die vor ca. 3 Millionen Jahren gelebt hatten.

Jane Goodalls Entdeckungen und Erkenntnisse revolutionierten damals die Wissenschaft. 60 Jahre später ist die Forschungsstation, die sie in Tansania gründete, weiterhin die aktive Heimat der längsten ununterbrochenen wissenschaftlichen Studie der Welt an Wildtieren.

Durch die bahnbrechenden Arbeiten in Gombe wurde nicht nur deutlich, wie dringend notwendig es war und ist, unsere nächsten Verwandten, die Schimpansen vor dem Aussterben zu schützen, sondern auch den „Artenschutz“ neu zu definieren und dabei die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. In der Folge wurde der innovative, gemeinschaftszentrierte Naturschutzansatz des Jane Goodall Instituts zum Vorreiter für viele weitere Projekte und Organisationen.

Nicht zuletzt haben das Beispiel und die Geschichte von „Dr. Jane“ eine globale Umweltbewegung in Gang gesetzt. Janes lebendes Vermächtnis beeinflusst nach wie vor Millionen von Menschen, sowie Institutionen und Organisationen rund um den Globus.

Und so sind wir vom Jane Goodall Institut Deutschland stolz darauf, die revolutionären wissenschaftlichen Entdeckungen, den gemeinschaftszentrierten Naturschutz und das Vermächtnis von sechzig Jahren Arbeit in Gombe gemeinsam mit Jane zu feiern.

Mehr Informationen über Gombe 60

Gombe 60 Live mit Dr. Jane Goodall – Am 14.07.2020 um 18:00 Uhr MEZ (16:00 Uhr UTC) – Facebook live
Gombe 60 StoryMap
 erstellt in Partnerschaft mit Blue Raster und Esri

Wir feiern einen großen Erfolg für die Rechte der Menschenaffen.

Zwei Patente auf gentechnisch veränderte Schimpansen abgewiesen.

Ein Kommentar von Dr. Ulrike Beckmann.

Schon seit den 1980er Jahren werden Tiere für Tierversuche gentechnisch verändert und dann patentiert. Deshalb leiden z.B. Mäuse und Ratten, denen schnell Tumore wachsen, oder andere Säugetiere, denen ein besonders schwaches Immunsystem vererbt wird, in den Versuchslaboren der Pharmaindustrie.

Zweifel am Sinn solcher Versuche und an ihrer Übertragbarkeit auf den Menschen existieren, seitdem man mit diesen Versuchen angefangen hat.

Nun hat die Beschwerdekammer des Europäischen Patentamtes (EPA) zum ersten Mal eine richtungsweisende Entscheidung getroffen:  Ansprüche der Firma INTREXON (heute: PRECIGEN) auf gentechnisch veränderte Schimpansen und andere Tiere wurden als nicht patentfähig abgewiesen.

Schon 2013 hatte die Organisation TESTBIOTECH e.V. und ein Bündnis von Umwelt- und Tierschutzorganisationen Einspruch gegen zwei Patente von Intrexon auf gentechnisch veränderte Schimpansen eingelegt und verloren.

Unbeeindruckt von diesem Rückschlag reichten sie 2016 Beschwerde beim EPA ein. Dieser Beschwerde wurde nun stattgegeben.

Auch das Jane Goodall Institut Deutschland hat die Aktion unterstützt. Jane Goodall zu dieser Neuigkeit:

“ Ein klares Signal an alle Wissenschaftler, die leidensfähige Tiere nur als Werkzeug der Forschung betrachten.

Das EPA hat eine weise und verantwortungsvolle Entscheidung getroffen.“

Hier erging eine wichtige Präzedenzentscheidung, in der zum ersten Mal Ansprüche auf gentechnische veränderte Versuchstiere aus ethischen Überlegungen gänzlich zurückgenommen wurden.

«Es hat fast 30 Jahre gedauert, bis das EPA an diesen Punkt gelangt ist und zum ersten Mal die Patentierung von gentechnisch veränderten Tieren stark einschränken will», sagte Ruth Tippe von der Initiative „Kein Patent auf Leben!“. «Wir fordern nach wie vor ein generelles Verbot von Patenten auf Tiere aus ethischen Gründen.»

Bei den beiden nun für ungültig erklärten Patenten wurden Abschnitte von Insekten-DNA in die der Schimpansen eingefügt, um sie für Versuche geeigneter zu machen. Die Patente sollten sich gleichzeitig auch auf Mäuse, Ratten, Katzen, Hunde, Rinder, Schweine, Pferde und Schafe erstrecken. Hunderte von Patenten auf Versuchstiere seien im Lauf der Zeit vom EPA erteilt worden, sagt Dr. Christoph Then von TESTBIOTECH, dass aber dann auch Menschenaffen als Erfindung gelten sollten, löste besondere Proteste aus.

„Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten, die 98,6% der Erbgut-Zusammensetzung mit uns teilen!“ betont Dr. Jane Goodall immer wieder.

Der nun vom EPA eingeschlagene Weg sollte jetzt auch für andere, ähnliche Fälle gelten: Denn es gibt noch viel mehr Patente auf gentechnisch manipulierte Tiere, auch auf Affen. Laut Dr. Then kämpft Testbiotech gerade gegen ein Patent der Max-Planck-Gesellschaft, das diverse Versuchstiere, u.a. auch Primaten beansprucht.

Unser großes Kompliment geht an die engagierte Gruppe um Testbiotech, die über lange Jahre nicht aufgegeben hat! Wir als JGI Deutschland sind stolz darauf, sie unterstützen zu dürfen.

Was wir jedoch nicht vergessen dürfen: Die gentechnischen Manipulationen an Tieren, auch an Affen, und die Versuche an ihnen gehen trotz allem weiter.

Man kann sie nur nicht mehr so einfach patentieren.

Es gibt also noch viel zu tun!

Dr. Ulrike Beckmann, Jane Goodall Institut Deutschland

Großer Erfolg: Kein Patent auf gentechnisch veränderte Schimpansen!

2. Juli 2020 / Aus ethischen Gründen hat das Europäische Patentamt (EPA) zwei Patente auf gentechnisch veränderte Menschenaffen für ungültig erklärt. Alle Ansprüche auf gentechnisch veränderte Versuchstiere müssen jetzt aus den betroffenen Patenten gestrichen werden. Die Technische Beschwerdekammer des EPA entsprach damit Einsprüchen und Beschwerden, die von einem breiten Bündnis von Tier- und Umweltschutzorganisationen eingereicht worden waren. Das europäische Patentrecht verbietet Patente auf die genetische Veränderung von Tieren, wenn daraus Tierleid resultieren kann. Einzige Ausnahme sind Fälle, in denen tatsächlich ein erheblicher medizinischer Nutzen vorliegt. Dieser Nutzen war nach Ansicht des EPA nicht vorhanden. Es ist das erste Mal, dass das EPA diese Regel so restriktiv auslegt. Die Entscheidung ist auch für andere Fälle bindend.

Die Einsprüche wurden 2012 und 2013 eingelegt und betreffen Patente der US-Firma Intrexon (EP1456346 und EP1572862), die jetzt Precigen heisst. In den Patenten werden gentechnisch veränderte Schimpansen und andere Tierarten als ‚Erfindung‘ beansprucht, die für Tierversuche verwendet werden sollen. In das Erbgut dieser Tiere sollen laut Patent Gene eingefügt werden, die aus Insekten stammen. Die Aktivität dieser Gene soll dann durch Verabreichung zusätzlicher chemischer Substanzen beeinflussbar sein. Die Firma spricht von einem ‚Gen-Schalter‘.

Foto: M.Ottersbach/ Pixelio
Großer Erfolg für Bündnis von Umwelt- und Tierschutzorganisationen

Gegen die Patente Einspruch erhoben hatten die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt, Cruelty Free International, der Deutsche Tierschutzbund, das Gen-ethische Netzwerk (GeN), die Gesellschaft für ökologische Forschung, das Jane Goodall Institut (Deutschland), Kein Patent auf Leben!, Bundesverband Menschen für Tierrechte, Pro Wildlife, die Schweizer Allianz Gentechfrei (SAG), Schweizer Tierschutz (STS), TASSO, Testbiotech und die Wild Chimpanzee Foundation Deutschland (WCF). Unterstützt wurden die Einsprüche von rund 14.000 Einzelpersonen.

„Ich begrüße die Entscheidung des EPA, zwei Patente auf gentechnisch veränderte Schimpansen aus ethischen Gründen zu widerrufen. Schimpansen sind unsere nächsten Verwandten, die 98.6% der Zusammensetzung unseres Erbgutes mit uns teilen.  Alle, die verstanden haben, dass die gentechnische Veränderung dieser Affen und anderer empfindungsfähiger Tiere nicht akzeptabel ist, werden dieses Urteil begrüßen“,  sagt Dr. Jane Goodall, weltweit bekannte und angesehene Verhaltensforscherin, Gründerin des gleichnamigen Jane Goodall Instituts und UN Friedensbotschafterin. „Das EPA hat hier eine weise und verantwortungsvolle Entscheidung getroffen, die ein klares Signal an alle WissenschaftlerInnen aussendet, die leidensfähige Tiere nur als ein Werkzeug der Forschung sehen.“

Die Einsprüche des Bündnisses wurden 2015 zunächst zurückgewiesen. Dagegen legten die Einsprechenden 2016 Beschwerde ein. Ende 2019 kündigte die Beschwerdekammer an, dass sie beabsichtige, den Beschwerden stattzugeben. Der Patentinhaber stimmte daraufhin einer Streichung aller Ansprüche auf gentechnisch veränderte Tiere zu. Jetzt hat die Beschwerdekammer endgültig entschieden und die Einspruchsabteilung angewiesen, das Patent entsprechend abzuändern (Entscheidungen T0682/16 und T0789/16).

„Es hat fast 30 Jahre gedauert“

Ruth Tippe von der Initiative Kein Patent auf Leben!, die seit vielen Jahren gegen derartige Patente kämpft, begrüßt die Entscheidung: „Es hat fast 30 Jahre gedauert, bis das EPA an diesen Punkt gelangt ist und zum ersten Mal die Patentierung von gentechnisch veränderten Tieren stark einschränken will. Wir fordern nach wie vor ein generelles Verbot von Patenten auf Tiere aus ethischen Gründen.“

Ist dies der Wendepunkt?

Die aktuelle Entscheidung könnte tatsächlich zu einem Wendepunkt führen. Bereits seit 1992 ist die Patentierung von Tieren in Europa heftig umstritten. Damals wurde in Europa erstmals ein Patent auf gentechnisch veränderte Säugetiere erteilt, das Patent auf die sogenannte ‚Krebsmaus‘. Seitdem wurden vom EPA tausende ähnlicher Patente erteilt, meist auf Versuchstiere, zum Teil aber auch auf landwirtschaftlich genutzte Tiere wie Rinder und Schweine. Die Patentierung von Versuchstieren ist zwar nicht völlig verboten, sollte aber jetzt auf wenige Ausnahmefälle eingeschränkt sein.

„Mit diesem Urteil sollten wenigstens Patente auf landwirtschaftlich genutzte Tiere wie Kühe und Schweine der Vergangenheit angehören, da hier keinerlei medizinischer Nutzen zu erwarten ist“, fordert Gudula Madsen vom Gen-ethischen Netzwerk.

„Versuche an Menschenaffen sind ein absolutes No-Go“

„Versuche an Menschenaffen oder gar Patente auf sie sind ein absolutes No-Go“, so Sandra Altherr von Pro Wildlife. „Das Urteil des Europäischen Patentamtes ist erfreulich deutlich und richtungsweisend.“

„Wir fordern ein vollständiges Verbot der Patentierung von Tieren. Fühlende Lebewesen zu ‚Erfindungen‘ oder Objekten zu degradieren, derweil sie in der Forschung an Stelle des Menschen leiden müssen, ist ethisch nicht akzeptabel“, sagt Stephanie Link, Referentin für Alternativmethoden zu Tierversuchen beim Deutschen Tierschutzbund.

„Auch mithilfe des EPA haben manche Firmen das Leid von Tieren zum profitablen Geschäft gemacht. Der Verkauf von gentechnisch veränderten Versuchstieren wird sogar mit Sonderangeboten und Werbegeschenken beworben“, sagt Christoph Then für Testbiotech. „Wir hoffen, dass das EPA jetzt verstanden hat, dass man mit Tierleid keinen Profit machen darf. Wir werden auch die weitere Entwicklung aktiv begleiten.“ Die Patente werden jetzt zurück an die Prüfungsabteilung verwiesen und können nur in veränderter Form aufrecht erhalten werden. Dabei müssen alle Ansprüche auf Tiere gestrichen werden.

Offizielle Pressemitteilung (Text: testbiotech)

Gremlins Baby Goodali im Gombe Stream National Park

Ein besonderes Baby in Gombe.

Dieses Jahr feiern wir 60 Jahre Gombe, den Ort, an dem Jane Goodall 1960 ihre Forschungen begann. 60 Jahrzehnte ununterbrochener Beobachtung der dort lebenden Schimpansen: Das ist die längste Zeitspanne, in der eine Spezies ununterbrochen dokumentiert wird. Einzelne Familien und ihre Mitglieder haben in dieser Zeit legendäre Bekanntheit erworben, wie Flo, die Begründerin der F-Familie, mit ihrem zahlreichen Nachwuchs. 1970 wurde Gremlin in die G-Familie geboren und eine ähnlich erfolgreiche Mutter und Großmutter. Der Filmemacher Bill Wallauer filmte z.B. 1993 die Geburt ihrer Tochter Gaia, die erste Dokumentation einer Schimpansengeburt in Freiheit.

Nun kehrte Bill Wallauer einmal wieder nach Gombe zurück und erfuhr dort, dass gerade ein Baby geboren worden war: wieder von Gremlin, die dieses Jahr 50 Jahre alt wird! Wenn man bedenkt, dass Schimpansen 50-60 Jahre alt werden können, wäre dies vergleichbar mit einer 70-80 jährigen menschlichen Frau, die ein Baby bekommt.

Und mit der Geburt ist es ja auch nicht getan: Es geht um eine erfolgreiche Aufzucht des Babies.

Sie gehört zu Jane Goodalls Lieblings-Forschungsthemen: Die Frage, welche Mutter erfolgreich ihre Kinder ins Erwachsenenleben bringt, wie viele überleben und wie so über Jahre eine eng zusammenhaltende Familiengruppe wachsen kann.

Erfolgreich waren immer Mütter, die aufmerksam, vorausschauend, kommunikativ, tolerant und sorgfältig mit ihren Kindern umgingen. Die erste von ihnen war Flo, die auch bis ins hohe Alter noch Babies hatte und die eine ganze Dynastie sozial erfolgreicher Nachkommen hinterließ.

Und nun konnte hier in Gombe Bill Wallauer die alte Gremlin mit ihrem Neugeborenen beobachten, die ebenfalls auf eine ganze Schar von Nachkommen blickt und mit viel Unterstützung rechnen kann. Ihr Sohn heißt GOODALI.

Bill Wallauers emotionalen Bericht könnt Ihr hier lesen.

Bär in Käfig auf einer illegalen Bärenfarm

Wildtiermärkte und Bärengalle-Farmen.

Ein Statement von Dr. Jane Goodall zu COVID-19.

Beim folgenden Text handelt es sich um eine gekürzte Version. Das englischsprachige Original, sowie die Deutsche Übersetzung stehen unter den folgenden Links zum Download bereit:

Die Welt steht vor unvorhersehbaren Veränderungen. Schon jetzt sind die gesamtwirtschaftlichen Verluste katastrophal. Wir alle verfolgen die Nachrichten. Wir hoffen, dass ein Impfstoff bald entwickelt ist und dass wir Schritt für Schritt zu einem normalen Leben zurückkehren können. Aber wir dürfen niemals vergessen, was wir durchgemacht haben und wir müssen alle notwendigen Schritte zur Vermeidung einer weiteren zukünftigen Pandemie unternehmen.

Es ist eine Tragödie, dass  eine Pandemie dieser Art schon lang von Forschern vorausgesagt wurde, die sich mit Zoonosen (Krankheiten, die wie COVID-19 von Tieren auf den Menschen übergehen), befassen. Es ist so gut wie sicher, dass diese Pandemie mit einem solchen Übertritt auf dem chinesischen Wuhan-Seafood-Markt begann, auf dem auch mit anderen Wild- und Haustieren gehandelt wurde.

Auf solchen Märkten werden die Tiere  in der Regel in kleine Käfige zusammengepfercht und oft vor Ort geschlachtet. So kommen Menschen in Kontakt mit Kot, Urin, Blut und anderen Körperflüssigkeiten verschiedenster Tierarten. Hier bieten sich ideale Voraussetzungen für Viren, um von ihrem tierischen Wirt auf den Menschen zu wechseln. Eine andere Zoonose, SARS, ging z.B. von einem Wildtiermarkt in Guangdong aus.

Nicht nur in China haben Wildtiermärkte für Viren und andere Krankheitserreger ideale Bedingungen geboten, um die Arten-Barriere zwischen ihren tierischen Wirten und uns Menschen zu überwinden. Ausgehend von afrikanischen Bushmeat-Märkten führte z.B. die Jagd, der Verkauf und das Schlachten von Schimpansen zu zwei Erreger-Sprüngen von Menschenaffen auf Menschen, aus denen die HIV-AIDS-Pandemie entstand. Ebola ist eine weitere Zoonose, die in Afrika aus Wildtier-Reservoirs auf Menschenaffen und Menschen überging.

Ein weiteres ernstes Problem und ein Milliarden-Dollar-Geschäft ist der schockierende weltweite Handel mit Wildtieren und ihren Körperteilen. Werden Wildtiere oder ihre Körperteile von einem Land in ein anderes exportiert, bringen sie auch ihre Viren mit sich. Es ist von größter Bedeutung, dass ein Verbot des Handels, des Verzehrs und der Zucht von Wildtieren zu Nahrungszwecken permanent durchgesetzt wird – zum Wohle der menschlichen Gesundheit und zur Vermeidung anderer Pandemien in der Zukunft.

Als COVID-19 als eine neue Zoonose erkannt wurde, untersagten die chinesischen Behörden den Verkauf und Verzehr von Wildtieren, schlossen den Wuhan-Wildtiermarkt und verboten das Züchten von Wildtieren für Ernährungszwecke. Die Nutzung bestimmter Wildtierprodukte für die traditionelle chinesische Medizin ist jedoch noch immer legal in China. Hier bieten sich willkommene Schlupflöcher für weiteren lukrativen Wildtierhandel.

Es gilt auch, das Wohlergehen der Tiere zu berücksichtigen, die unfreiwillig für Zoonosen verantwortlich sind. Heute wissen wir alle, dass die erwähnten Tiere sensible Wesen sind, die Angst, Verzweiflung und Schmerz verspüren und sehr intelligent sein können. Erlauben wir weiter den Wildtierhandel für medizinische Produkte, so ermöglichen wir auch weiter die unglaublich unmenschliche Behandlung dieser fühlenden Geschöpfe.

Bärengalle-Farmen in Asien.

Ein Beispiel sind die Bären (Mond-, Braun- und Malaienbären), die in Asien zur Galleproduktion gehalten werden. Sie sind teilweise bis zu dreißig Jahre lang in extrem engen Käfigen gefangen – manchmal können sie darin nicht einmal stehen oder sich drehen. Die winzigen Zwinger verhindern jegliches natürliche Verhalten dieser intelligenten und sensiblen Tiere. Die Gallenflüssigkeit wird ein- oder sogar zweimal täglich aus der Gallenblase entnommen – eine höchst schmerzhafte invasive Prozedur. Die Bären leiden deshalb an Schmerzen, Hunger und Austrocknung  und entwickeln u.a. Leberkrebs, andere Tumoren, Geschwüre, Blindheit, Bauchfellentzündungen, Arthritis und andere Leiden und Infektionen.

Die Haltung der Bären in solchen Farmen ist nicht nur extrem grausam, sondern auch ein Risiko für die öffentliche Gesundheit. Schlechte hygienische Bedingungen, die permanent offenen Bauchwunden der Bären, die Verunreinigung der Galle mit Kot, Bakterien und Blut, sind ein sehr ernstzunehmendes Problem. Viele dieser Bären erhalten kontinuierlich Antibiotika, um sie überhaupt am Leben zu erhalten. Dies führt wiederum unweigerlich zu Antibiotikaresistenzen und dem Entstehen von multiresistenen Superkeimen. Dasselbe gilt im Übrigen auch für die Haltung von Tieren in Massentierhaltung. Diese multiresistenten Super-Keime sind bereits verantwortlich für den Tod vieler Menschen auf der ganzen Welt.

Tragischerweise wird das Produkt „Tan Re Qing“, das Galle asiatischer Bären enthält, zur Behandlung von COVID-19-infizierten Patientenempfohlen. Genau das wird die Bärengalle-Gewinnung nur noch mehr ankurbeln. Solange Bärengalle-Farmen legal bleiben, steigt die Nachfrage weiter. Die aktive Komponente der Bärengalle, Ursodeoxycholsäure (UDCA), ist sei langem synthetisch erhältlich, zu einem Bruchteil der Produktkosten aus lebenden Bären. Viele Menschen halten nur leider die Galle von wilden Bären noch immer für wertvoller.

Es wäre wundervoll, wenn alle Bärenfarmen in ganz Asien geschlossen und die Bären in Auffangstationen in Asien gebracht werden könnten, wo sie in Gesellschaft anderer Bären auf Gras laufen, klettern, baden und die Sonne genießen könnten.

Krankheiten und ihr Ursprung in der Massentierhaltung.

Zoonosen entstehen nicht nur aus dem Umgang mit Wildtieren. Die unmenschlichen Bedingungen in „Fabrikställen“, in denen große Mengen von Haustieren zusammengepfercht werden, bieten sei langem Bedingungen, die ein Übergreifen von Erregern auf den Menschen fördern. Beispielsweise „Vogelgrippe“ und Pandemie H1N1 („Schweinegrippe“) hatten ihren Ursprung  im Umgang mit Geflügel und Schweinen, MERS mit Hauskamelen. Und auch Haustiere sind fühlende Geschöpfe, die Angst und Schmerz erleiden.

Schlussfolgerung.

Viele Menschen glauben, dass wir an einem Wendepunkt unserer Beziehung zur natürlichen Welt angekommen sind. Wissenschaftler warnen davor, dass wir in Kontakt mit Viren kommen können, die Pandemien noch weit erschütternder als COVID-19 auslösen, wenn wir weiterhin die Gründe für die Verbreitung solcher Zoonosen ignorieren.

  • Wir müssen der Abholzung und Zerstörung der natürlichen Lebensräume weltweit Einhalt gebieten.
  • Wir müssen von existierenden naturfreundlichen, organischen Alternativen Gebrauch machen und Neue entwickeln, um uns zu ernähren und uns gesund zu erhalten.
  • Wir müssen Armut eliminieren, damit die betroffenen Menschen andere Einkommensmöglichkeiten finden können, als auf Kosten von Wildtieren und ihrer Umwelt zu existieren.
  • Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen vor Ort, deren Leben direkt von einer gesunden Umwelt abhängt, gute Entscheidungen zu ihrer Erhaltung treffen können, während sie in ihren Gemeinschaften an der Verbesserung ihrer Lebensbedingungen arbeiten.
  • Und schließlich müssen wir unser Gehirn mit unserem Herzen verbinden und endlich unsere eingeborene Weisheit, unsere Wissenschaft und unsere innovativen Technologien zusammen nutzen, um weisere Entscheidungen für Menschen, Tiere und unsere gemeinsame Umwelt zu treffen.

Während natürlich unser akuter Fokus gerade auf der Kontrolle des COVID-19 Virus liegt, dürfen wir jedoch auch die Krise nicht vergessen, die mit potentiell langfristig katastrophalen Effekten auf den Planeten und für unsere zukünftigen Generationen droht: die Klimakrise.

Die Pandemie hat die Industrie zu einem temporären Shutdown in vielen Teilen der Welt gezwungen. Ein Ergebnis davon ist, dass viele Menschen zum ersten Male die Freude erleben dürfen, frischen Luft zu atmen und die Sterne am Nachthimmel zu sehen.

Meine Hoffnung ist, dass die Erfahrung, wie die Welt sein sollte, gemeinsam mit der Erkenntnis, dass es unsere Missachtung der natürlichen Welt war, die zu dieser Pandemie geführt hat, Unternehmen und Regierungen dazu bringt, mehr Ressourcen in die Entwicklung sauberer und erneuerbarer Energien, Bekämpfung der Armut und Schaffung von Alternativen für die weitere Ausbeutung der Natur zu investieren.

Lasst uns erkennen, dass wir ein Teil  der natürlichen Welt sind und von ihr mit Nahrung, Wasser und saubere Luft abhängen.

Lasst uns daran erinnern, dass die Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt  zusammenhängen.

Lasst uns Respekt zeigen füreinander, für alle anderen fühlenden Wesen und für Mutter Natur. Für das Wohlergehen unserer Kinder und der ihren, für die Gesundheit dieses wunderschönen Planeten Erde, unserer einzigen Heimat.

Dr. Jane Goodall, DBE
Founder The Jane Goodall Institute
& UN Messenger of Peace

Tessina Strelows Aufruf zur Hilfe an Roots & Shoots Südafrika

Hilfe für Roots & Shoots Südafrika.

Wir halten zusammen! Das Jane Goodall Institut – Südafrika hat uns um Mithilfe gebeten. Und wir folgen ihrer Bitte mit einem Spendenaufruf:

Die Einschränkungen der Maßnahmen aufgrund des Coronavirus beschäftigen uns alle nun schon seit einigen Wochen. Während wir in Deutschland zum Glück nach wie vor mit allem Nötigen versorgt werden können, ist das in vielen anderen Ländern nicht möglich.

Deshalb hat sich auch Lebo aus Südafrika mit uns in Verbindung gesetzt und bittet um Hilfe. Lebo koordiniert dort einige Roots & Shoots Projekte in Schulen und einzelnen Communities, unter anderem Baumpflanzungen, Müllsammelaktionen und das Anlegen von gemeinschaftlichen Nutzgärten. Durch den gegenwärtigen ‚Lockdown‘ können sich viele Menschen nicht mit notwendigen Lebensmitteln versorgen. Um vor Ort mit der Versorgung helfen zu können, bittet Lebo um Unterstützung.

Spendenkonto:
Nedbank Hyde Park
Branch Code 197205
Kontonummer 1972082264
Swift Code NEDSZAJJ

Wer mit guten Wünschen und Gedanken helfen möchte, kann uns diese an roots&shoots@janegoodall.de schicken. Wir leiten sie gerne weiter!

Herzlichen Dank und viel Gesundheit!