Mehr als 1 Million Unterschriften! #böllerciao - Jane Goodall Institut - Deutschland

Mehr als 1 Million Unterschriften! #böllerciao

Deutsche Umwelthilfe übergibt mehr als 1 Million Unterschriften für Böllerverbot und fordert von Innenminister Dobrindt absolutes Böllerverbot noch in diesem Jahr

Berlin, 5.1.2026: Mit 1.035.809 Unterschriften fordern die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und das von ihr initiierte Bündnis #böllerciao ein bundesweites Böllerverbot – einen entsprechenden Offenen Brief übergab das Bündnis heute an das Bundesinnenministerium. Das Bündnis fordert eine sofortige Änderung der Sprengstoffverordnung durch Bundesinnenminister Dobrindt für ein bundesweites Verkaufs- und Anwendungsverbot von privater Pyrotechnik an Silvester. Zum Jahreswechsel gab es aufgrund von privatem Feuerwerk mindestens sieben Todesopfer in Deutschland, zahlreiche Schwerverletzte, Brände, attackierte Einsatzkräfte, extrem gesundheitsschädliche Feinstaub-Spitzen und eine massive Belastung von Mensch, Tier und Umwelt. 

Trotz der dramatischen Silvesterbilanz schloss das Ministerium eine Annahme des Offenen Briefes auf Minister- oder Staatssekretärsebene als „bewusste Entscheidung“ ausdrücklich aus. Auch inhaltlich habe sich die Position zum Thema im letzten Jahr nicht verändert, obwohl dem Haus sowohl die hohe Zahl der Unterschriften als auch das deutlich gewachsene Bündnis bekannt seien, so der Vertreter des Ministeriums gegenüber der das Bündnis koordinierenden DUH.

Das zentrale Argument des Bundesinnenministeriums, ein bundesweites Böllerverbot sei „nicht verhältnismäßig“, steht im Widerspruch zur selbst eingestandenen Faktenlage. Die Bundesregierung räumt ein, über keine belastbaren Daten zu Verletztenzahlen, zu den Kosten für Krankenhäuser, Feuerwehr und Polizei oder zu den gesamtgesellschaftlichen Schäden zu verfügen. Unklar bleibt damit, auf welcher Grundlage eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit erfolgt ist, wenn die Folgen für Menschen, Umwelt und öffentliche Haushalte nicht systematisch erfasst werden. Auch die Behauptung, es gebe keine Mehrheit der Bundesländer für Änderungen, ist nicht haltbar: Zehn von sechzehn Bundesländern sprechen sich inzwischen dafür aus, die bestehenden Regelungen zum Silvesterfeuerwerk zu ändern oder den Ländern und Kommunen deutlich mehr Handlungsspielraum einzuräumen. Nach vielen Jahren einer immer größer werdenden, von der DUH koordinierten Allianz bewegt sich politisch endlich etwas – nur das Bundesinnenministerium blockiert weiter.

Stimmen aus dem #böllerciao Bündnis

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH: „Die Niederlande handeln und schützen ihre Bevölkerung, ihre Tiere, die Einsatzkräfte und die Umwelt. Deutschland hingegen lässt weiter zu, dass für den Spaß einer sehr kleinen Minderheit jedes Jahr tausende Menschen verletzt werden, Städte im Feinstaub versinken und Millionen Tiere in panische Flucht geraten. Ich erwarte von den Innenministerinnen und Innenministern, dass sie den Willen der Mehrheit anerkennen und endlich handeln. Ein Verkaufs- und Anwendungsverbot privater Pyrotechnik ist längst überfällig. Wer immer noch Zweifel hat, soll am 1. Januar eine Notaufnahme besuchen und sich anschauen, was jedes Jahr angerichtet wird. Wer jetzt weiter wegschaut, nimmt die nächste Horrornacht billigend in Kauf.“

Jochen Kopelke, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP): „Es ist höchste Zeit, der massiven Silvestergewalt wirksam entgegenzutreten. Die Innenministerkonferenz muss das Thema Böllerverbot endlich ernst nehmen und den Regionen ermöglichen, regionale Lösungen umzusetzen. Wir Polizistinnen und Polizisten sind es leid, jedes Jahr am eigenen Leib zu spüren, was politische Untätigkeit anrichtet.“

Jan Tjeerd de Faber, Kinderaugenarzt und Mitinitiator des Vuurwerkmanifest: “In meiner ersten Schicht an Silvester 2003 sollte ich einem kleinen Jungen am OP-Tisch ein durch Böller stark verletztes Auge retten, ohne Erfolg. Das war der Auslöser: Seitdem setze ich mich vehement gegen privates Feuerwerk ein. Jahr um Jahr musste ich erleben, dass Kinder und völlig Unbeteiligte durch Böllerei die schlimmsten Schicksalsschläge erleiden. Nach 20 Jahren haben niederländisches Parlament und Senat das Gesetz “Veilige Jaarwisseling” (Deutsch: Sicheres Silvester) beschlossen und damit privates Feuerwerk verboten. In Deutschland ist die Lage bei den Verletzungen mindestens so fatal wie in den Niederladen. Das muss ein Ende finden.”

Holger Hofmann, Bundesgeschäftsführer des Deutschen Kinderhilfswerkes: „Kinder und Jugendliche gehören zu den besonders gefährdeten Gruppen durch Silvesterböller. Vor allem Kleinkinder, neurodiverse Kinder, Kinder mit Traumaerfahrung oder einfach hoher Sensibilität leiden stark unter der Böllerei. Aufgrund ihres höheren Atemvolumens im Verhältnis zur Körpergröße und ihrer höheren Atemfrequenz atmen Kinder und Jugendliche die extremen Feinstaubkonzentrationen besonders schnell ein, zudem kommt es jedes Jahr bei ihnen überproportional zu schweren Augenverletzungen. Ein Verbot privater Feuerwerke schützt somit nicht nur Umwelt und Tiere, sondern vor allem die Gesundheit der Jüngsten.“

Wir vom Jane Goodall Institut Deutschland setzen uns seit Jahren für ein Verbot privater Feuerwerke ein. Die Unberechenbarkeit privater Feuerwerke führt zu lärmbedingtem Stress bei vielen Haus-, Wild- und Zootieren und löst Flucht- und Panikverhalten aus. Wir wollen keinesfalls weniger feiern, aber lasst uns Wege finden, dies zu tun, ohne Tausenden von Tieren Leiden und Schaden zuzufügen! 

Hintergrund 

Seit Jahren zeigen repräsentative Umfragen stabile Mehrheiten von rund 60 Prozent für ein Verbot privater Pyrotechnik. Auch eine aktuelle Umfrage aus diesem Jahr bestätigt erneut: Die allermeisten Menschen planen, den Jahreswechsel ohne eigenes Feuerwerk zu feiern – und lediglich 5 Prozent geben an, in diesem Jahr auf jeden Fall zu böllern. Das Bündnis erwartet von Bund und Ländern, diese eindeutige Stimmungslage ernst zu nehmen und endlich entsprechend zu handeln. Dem wachsenden Aktionsbündnis für ein böllerfreies Silvester gehören neben der DUH 55 weitere Organisationen an: Gewerkschaft der Polizei, Bundesärztekammer, VIER PFOTEN – Stiftung für Tierschutz, TASSO, Jane Goodall Institut Deutschland, Deutscher Tierschutzbund, PETA Deutschland, Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes, Menschen für Tierrechte – Bundesverband der Tierversuchsgegner, Deutsches Kinderhilfswerk e.V., Menschen für Tierrechte – Baden-Württemberg, Bundesverband Tierschutz e.V., NaturFreunde Deutschlands, Tierschutznetzwerk Kräfte bündeln, Pro Wildlife e.V., Tierärzte für verantwortbare Landwirtschaft e. V., Deutsche Tinnitus-Liga e.v., Bundesverband Bürohund e. V., Haustierregister FINDEFIX, Deutscher Naturschutzring (DNR) e. V., Retinologische Gesellschaft e. V., Welttierschutzgesellschaft e. V., Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft, Land der Tiere, Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz e. V., Wildtierschutz Deutschland e. V., Deutsche Atemwegsliga, Deutsche Lungenstiftung, Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland e.V. (VFD), Senior*innenvertretung Tempelhof-Schöneberg, Die Augenchirurginnen, Landesseniorenbeirat Berlin, Animals United e. V., Deutsche Tier-Lobby e. V., Fortuna hilft e. V., Stiftung Hof Butenland, Deutsche Gesellschaft für Geriatrie e. V., fuss e. V., KLUG – Deutsche Allianz Klimawandel und Gesundheit, NAJU (Naturschutzjugend im NABU), Health for Future, holi.social, Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK), Verband Neurodiversität, Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB), Andreas Reuland (Augenarzt), Norbert Mülleneisen (Facharzt für Lungen- und Bronchialheilkunde und Umweltmediziner), International Fund for Animal Welfare (IFAW), Bundesverbands für Umweltberatung (bfub) e.V., Zero Waste Germany e. V., Naida e.V., Tierschutz-Entwicklungshilfe e.V., Berliner Behindertenverband e.V, KynoLogisch gemeinnützige GmbH

Laut einer repräsentativen Umfrage der Verbraucherzentrale Brandenburg sprachen sich im vergangenen Jahr 59 Prozent der Menschen für ein generelles Verbot von privatem Feuerwerk aus.

Kontakt

Franziska Wulff, Zweite Vorständin Jane Goodall Institut Deutschland, franziska.wulff@janegoodall.de

 

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