Internationale Wochen gegen Rassismus - Jane Goodall Institut - Deutschland

Internationale Wochen gegen Rassismus

Zwei Hände mit unterschiedlicher Hautfarbe halten sich gegen Rassismus.
Seit einer Woche laufen bereits die internationalen Wochen gegen Rassismus. Die Initiative geht von der Stiftung gegen Rassismus aus, die durch verschiedene Veranstaltungen und Aktionen auf die Problematik Rassismus aufmerksam macht.

Da wir als Jane Goodall Institut für ein respektvolles Miteinander zwischen Mensch, Tier und Umwelt stehen, möchten wir das Thema Rassismus einmal näher unter die Lupe nehmen. 

Unsere Absicht

Dieser Text soll einen Überblick über das weite und schon sehr lange verbreitete Problem Rassismus bieten und Zusammenhänge und Verständnis schaffen, denn Verständnis ist der erste Weg einem Problem entschlossen entgegenzuwirken. Treten wir mit diesem Wissen also gegen Rassismus ein und schaffen auf diese Art eine Akzeptanz für jeden.

#MischDichEin und finde zusätzlich Informationen und Material zu den internationalen Wochen gegen Rassismus hier:

Rassismus

Das Thema Rassismus bewegt noch immer die Gesellschaft. Rassismus ist für viele weit weg und doch leider oft allzu nah. Immer wieder hört man von rassistisch motivierten Gewalttaten, die zeigen, dass Rassismus auch heute noch ein großes Problem ist. Gerade in Deutschland oder den USA ist das Thema womöglich brisanter und auch bekannter als anderswo, doch das heißt nicht, dass Rassismus nur in spezifischen Teilen der Welt ein Problem ist. Deshalb wurden die internationalen Wochen gegen Rassismus ins Leben gerufen, die uns als Gesellschaft genau das vor Augen führen sollen.  

Die Bekämpfung von Rassismus und das gezielte Voraugenführen dieses Themas trägt zu einem besseren Miteinander bei. Wenn das Thema vielleicht auch für den einen oder anderen abgedroschen zu sein scheint, lohnt es sich zu versuchen, die Ursprünge des Rassismus zu ergründen und zu verstehen: Denn genaues Hinsehen zeigt, dass das Thema Rassismus viele Facetten hat und eigentlich schon Jahrhunderte lang Teil unserer Geschichte ist. Diese Tatsache soll der Anlass sein, das Thema näher zu beleuchten, auf das ein allgemeines Verständnis der Problematik dazu führen möge, den Rassismus zu überwinden.

Judenverfolgung im Mittelalter

Gerade in Deutschland denkt man beim Thema Rassismus wohl schnell an die Judenverfolgung, die in Deutschland in den barbarischen Nationalsozialismus führte. Dies ist jedoch kein Problem, das erst im 20. Jahrhundert aufkommt. Es besteht seit dem Mittelalter. Bereits zu römischer Zeit befanden sich die Juden aufgrund ihrer Religion in einer Außenseiterrolle, allerdings waren sie weitgehend geachtet und besaßen das römische Bürgerrecht. Dies änderte sich im Zuge der Christianisierung. Juden galten nun als „Gottesmörder“, da sie für Jesu Kreuzigung verantwortlich gemacht wurden. (Jesus ist nach christlicher Vorstellung Gottes Sohn). Dieser Vorwurf der jüdischen Religion brachte in einem ersten Schritt die Missgunst der breiten Bevölkerung hervor. Diese wurde noch dadurch verstärkt, dass Juden die sogenannten „unehrbaren Berufe“ ausübten, welche christlichen Bürgern verboten beziehungsweise verpönt waren. Dies waren der Handel, sowie das Kredit- und Bankwesen.

Die Ausübung eines Handwerkes blieb Juden verwehrt, da jedes Handwerk durch das Zunftwesen organisiert war, in das nur christliche Bürger aufgenommen wurden. Die Tatsache, dass im Bankwesen größtenteils Juden beschäftigt waren, brachte neue Vorurteile mit sich, Nichtjuden befürchteten von Juden finanziell ausgenommen zu werden,- ein Gerücht, dass sich bis heute hält. Ebenso die Gerüchte, Juden würden Kinder aus christlichen Familien in rituellen Morden töten und verzehren. Auch Behauptungen dieser Art haben sich bis heute gehalten

Die Judenverfolgung fand in den Kreuzzügen ihren vorläufigen Höhepunkt. Bei den Mächtigen waren Juden aber häufig gern gesehen. Ihre weitreichenden Kontakte, die sie durch Tätigkeiten im Handel erworben hatten, waren den Herrschenden nützlich. Durch Erlässe stellten die deutschen Kaiser die Juden immer wieder unter ihren persönlichen Schutz. Sie wurden „Kammerknechte“ , dadurch waren sie unfrei und unterstanden der Gunst des Kaisers. Zudem musste diese Gunst durch Sondersteuern bezahlt werden. Dieser nicht unbedingt selbstlose Zug der deutschen Kaiser bewahrte die Juden zwar vor manchem Übel, doch die großen Pogrome konnten dadurch nicht verhindert werden. Als sich die Pest ausbreitete, wurden Juden dafür verantwortlich gemacht. Der Hass nahm zu, Juden wurden gezielt verfolgt und umgebracht.

Um 1350 lebten nur noch wenige Juden in Europa. Als sich langsam wieder Juden in den Städten anzusiedeln begannen, wurden sie in abgegrenzte Viertel und Ghettos verbannt. Erst im späten 18. Jahrhundert verbesserte sich im Zuge der Aufklärung die Situation der Juden. Teilweise wurden sie anerkannt und toleriert, gerade Kaiser Josef II. und Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau setzten sich beispielsweise für Toleranz der Juden ein, doch ein kompletter Bruch mit der Feindschaft gegen Juden wurde nicht erreicht.

Rassistische Pseudowissenschaft im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert verändert sich diese Feindlichkeit gegen Juden. Bisher war der Judenhass von religiösem Ursprung. Man spricht daher auch vom „Antijudaismus“. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts wandelt sich diese Haltung zu einem von vermeintlichen Rassenunterschieden geprägtem „Antisemitismus“. Demzufolge bilden die Juden eine eigene „Menschenrasse“, die als minderwertig angesehen wurde. Grundsätzlich sind diese beiden Begriffe historisch voneinander zu unterscheiden. Tatsächlich vermischen sich aber antijudaistische und antisemitische Ansichten, sodass sie zunehmend schwer unterscheidbar werden. Dies bringt uns zum nächsten großen Thema, das den Rassismus im 19. Jahrhundert allgemein ankurbelte und nach damaligem Empfinden wissenschaftlich untermauerte: die Irrlehre einer vermeintlich wissenschaftlichen Rassenlehre, wovon der Antisemitismus ein Teil ist.

Die Theorie Charles Darwins vom Gesetz des Stärkeren in der Natur wurde auf die menschliche Gesellschaft übertragen, man spricht in diesem Fall vom sogenannten „Sozialdarwinismus“. Zunächst wurde der Begriff allerdings auf die Ökonomie angewendet. Herbert Spencer (1820-1903) gilt als der Begründer des „Sozialdarwinismus“. Ihm zufolge bildeten sich Fleiß, Tüchtigkeit und soziale Anpassung in einer Gesellschaft heraus, da laut der angewendeten Theorie Darwins (Überleben des Stärkeren) nur die arbeitswilligen Menschen ökonomisch zu Erfolg kämen, während alle anderen mehr oder weniger erfolglos bleiben oder zu Grunde gehen. Diese Beurteilung nach „wirtschaftlichem Nutzen“ von Menschen ist zwar schon menschenverachtend genug aber nicht konkret rassistisch. Doch die Theorie „Survival oft the fittest“ (Überleben des Stärksten) ließ sich natürlich leicht auf vermeintliche Menschenrassen übertragen, die sich dieser Theorie zufolge in ständigem Kampf um die stärkste und beste „Rasse“ befinden. Demzufolge glaubte man nur die stärkste „Rasse“ würde überleben

Dieser Ansatz wird als „Eugenetik“ bezeichnet. Da dem darwinistischen Ansatz in der Natur nur die Stärkeren die Möglichkeit haben, ihre Gene zu verbreiten waren die Eugenetiker der Ansicht, die (weiße) „Herrenrasse“ „stärken“ zu müssen, indem sie Zwangssterilisationen von Behinderten und psychisch Kranken befürworteten, was in einigen westlichen Ländern auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschah. (nicht nur im Nationalsozialismus, sondern auch in den USA beispielsweise). Dies geschah im Rahmen offizieller Sterilisationsgesetze. Diese Maßnahme sollte sozusagen zur vermeintlichen „Selektion“ durch den Menschen selbst führen.

Führt man sich diese historischen Entwicklungen vor Augen, versteht sich, wie tief rassistische Denkweisen verankert waren. Daran wird auch ersichtlich, dass nationalsozialistisches Gedankengut nichts grundlegend Neues war, sondern auf einen vorhandenen Nährboden fiel und letztlich die Ausführung dieser vorhanden Rassentheorien war.

Rassismus im Zuge des Kolonialismus

Ein weiteres großes Thema im Zusammenhang mit Rassismus sind die Unterdrückungsbestrebungen der einheimischen Bevölkerung durch Kolonialmächte. Diese Thematik ist wohl möglicherweise mehr bekannt als die lange Geschichte der Judenverfolgung und die verschiedenen Theorien, die versuchten, Rassismus wissenschaftlich zu untermauern.

Die Unterdrückung durch Kolonialismus erstreckte sich von den Entdeckungen der Überseegebiete durch Europäer vom 15. Jahrhundert bis ins 20. Jahrhundert hinein. Vielerorts dauert sie allerdings auch bis heute an.  Dazu zählen die gezielte Vertreibung indigener Völker und die Sklaverei. Bekannt sind diese Problematiken besonders aus den USA und Südafrika. Die Prozesse Rassismus und Apartheit in diesen Ländern waren und sind zäh, außerdem, langwierig. Trotz der Bestrebungen mutiger Menschen wie Martin Luther King oder Nelson Mandela konnte der Rassismus nicht vollständig ausgelöscht werden.

Im Zuge der kolonialen Unterdrückung der einheimischen Bevölkerungsgruppen ist auch Deutschland erneut zu nennen. Im Zuge des Imperialismus waren in den 1880er Jahren die letzten unbesetzten Landesteile Afrikas und Asiens unter den europäischen Mächten aufgeteilt worden. Deutschland erhielt Teile Ostafrikas unter anderem auf den Gebieten des heutigen Namibias und Tansanias. Der Aufstand der dort einheimischen Herero wurde von den deutschen Kolonialherren gewaltsam niedergeschlagen und die Hereros fast ausgerottet. Erst in den letzten Jahren kam es zu einer Aufarbeitung dieses Völkermordes. Ähnliche Vorfälle gab es auch in anderen Kolonien.

Was ist nun die konkrete Moral dieses Textes?

Zugegeben, viele Themen sind nur angerissen worden oder aus einer eher deutschen Perspektive betrachtet worden. Aus diesem Blickwinkel lässt sich das teils komplexe Thema Rassismus in seiner historischen Gänze jedoch gut verstehen und darlegen.  Leider könnte man zum Thema Rassismus seitenweise weiterschreiben

Wichtig aber ist zu verstehen, dass oftmals bis heute solche Theorien bei rassistischen Übergriffen eine Rolle spielen. In Neonazi-Kreisen sind die Theorien des Sozialdarwinismus immer noch eine Erklärung, um gewaltsame rassistisch motivierte Taten zu rechtfertigen. Natürlich sind diese Theorien, und das sollte an dieser Stelle noch einmal betont werden, frei von jeglichem Wahrheitskern. Doch sie halten sich bis heute hartnäckig und spielen im heutigen Rassismus nach wie vor eine Rolle.

Sicherlich ist aber auch die Angst vor dem Fremden im Allgemeinen ein Antriebsmotor von Rassismus oder verantwortlich für Vorurteile, die womöglich harmloser gemeint sind, aber genauso in konkretem Rassismus ausarten können.

Der heute existierende Rassismus ist wohl ein Gemisch aus den dargelegten historischen Elementen und aus psychischen oder sozialen Komponenten. Die Angst, dass „die Fremden“ oder „die Anderen“ einem etwas wegnehmen könnten, spielte in der Geschichte bis heute eine prägende Rolle.

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