Richtigstellung zur Diskussion um den Neubau des Affenhauses im Zoo Krefeld.

Dr. med. vet. Ulrike Beckmann

Ein Schimpanse hangelt an zwei Ästen eines Baumes und blickt in Richtung Horizont

Bild: Science Museum of Minnesota

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Das Jane Goodall Institut Deutschland erhebt ausdrücklich Einspruch gegen die Behauptung, Jane Goodall unterstütze den Neubau des Affenhauses in Krefeld.

“Zoos sind nicht per se schlecht. Tiere können dort sehr glücklich sein, vor allem, wenn sie dort geboren wurden.”

Diesen einfachen Satz aus einem Interview des Magazins „Der Spiegel“ Nr.31/25.7.2020 formuliert die Rheinische Post um zu der Behauptung:

“Jane Goodall stützt die Wiederaufbaupläne des Zoos…….” (27.7.2020, Online)

Daraufhin folgt die Westdeutsche Zeitung mit: ” Affen-Forscherin Jane Goodall stärkt Krefelder Zoo den Rücken“ (28.7.2020, Online)

Diese Art der Interpretation halten wir weder für gerechtfertigt noch nachvollziehbar und fordern deshalb im Namen von Dr. Jane Goodall eine sofortige Richtigstellung.

Seit Jahrzehnten kämpft Jane Goodall dafür, nicht einzelne Arten, sondern ganze Lebensräume mit ihren Ökosystemen unter Schutz zu stellen und die Bevölkerung vor Ort einzubeziehen und zu unterstützen.

In diesem Sinne könnte man die veranschlagten 20 Millionen wesentlich wirksamer  für den Artenschutz einsetzen als für den prestigeträchtigen Neubau des Affenhauses im Krefelder Zoo. Wenn es aber um die Haltung von Tieren in Zoos geht,  sagt Jane Goodall immer wieder:  

“…wir können sie nicht fragen, deshalb müssen wir sie sorgfältig beobachten, immer! “

Die Brandkatastrophe hat gezeigt, dass im Affenhaus des Krefelder Zoos in der Silvesternacht – einer Ausnahmesituation für jedes empfindsame Tier – ganz offensichtlich niemand die in jeder Hinsicht wertvollen Menschaffen beobachtet bzw. überwacht hat. Dies bedeutet: In jener Silvesternacht war nicht einmal der Tierschutz gewährleistet.

Jane Goodall ist nicht gegen Zoos, sie erlaubt sich nur eine differenzierte Haltung, die aus einer jahrzehntelangen Erfahrung erwächst, wie sie keiner sonst vorweisen kann. Sie hat einen pragmatischen Ansatz, der gute Entwicklungen befürwortet, die dem Wohlbefinden der Tiere dort dienen, anstatt pauschal gegen Zoos zu argumentieren. Das hat im Laufe der Zeit viel mehr Wirkung gezeigt als vehementes Contra.

Bei aller Kontroversität sollten wir auch noch einmal innehalten und den gefährdeten Arten, um die es doch eigentlich gehen sollte, mehr Respekt entgegenbringen. 

Wir können bei ihrer Zoo-Haltung weiter nach Verbesserung streben, aber wir werden keinen idealen Zustand erreichen. Wir sollten uns nicht in der Allmacht wähnen, für Menschenaffen im Zoo ein Reservoir aufbauen zu können, mit dem wir artenarme und geschädigte Lebensräume einfach wieder auffüllen. Die Lebensräume selbst müssen erhalten werden.

Diese Mahnung möchten wir im Sinne von Janes Lebenswerk hören lassen.

Dr. Ulrike Beckmann und das Team des Jane Goodall Institut Deutschland

Update vom 4.8.2020: Anfang dieser Woche gab es ein sehr offenes und konstruktives Gespräch mit Dr. Dreßen, dem Krefelder Zoodirektor. Geplant ist ein Dialog zwischen dem Jane Goodall Institut und dem Zoo Krefeld, der in Zukunft im Interesse der Schimpansen in Zoohaltung und gleichzeitig der Unterstützung ihrer Artgenossen in den afrikanischen Auffangstationen sowie dem Schutz ihrer  ursprünglichen Lebensräume geführt werden wird.

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