Zoo Nürnberg: Tötung von 20 gesunden Guinea-Pavianen - Jane Goodall Institut - Deutschland

Zoo Nürnberg: Tötung von 20 gesunden Guinea-Pavianen

UPDATE:

Wir trauern um die 12 getöteten Paviane im Zoo Nürnberg und sind enttäuscht darüber, dass die Zooleitung sich nicht hat bewegen lassen, noch einmal innezuhalten mit ihrem Vorhaben. Es handelt sich in diesem Fall zwar nicht um Menschenaffen, doch auch um Primaten, unsere nächsten Verwandten. Um fühlende, hochintelligente Wesen, die zu komplizierten Problemlösungen fähig sind und die ein Familienleben haben. Aus ihrer Mitte wurden Einzelne “ausgewählt”, die wegen Platzmangel sterben mussten.

Diese müssen wir verloren geben. Aber wir sollten uns dessen bewusst sein, dass mehr ähnliche Fälle folgen und dass in den Statements des VdZ und der EAZA auch Menschenaffen und Zahnwale ( Delfine etc.) nicht ausgenommen werden. Wir sollten dies weiter mit großer Aufmerksamkeit verfolgen und hoffen, dass hier, wenn schon unser Tierschutzgesetz nicht deutlich genug formuliert ist, unsere Gerichtsbarkeit Klarheit schafft. 

Der laute öffentliche Aufschrei zeigt, dass sich viele Menschen empfindlich in ihrem moralischen und ethischen Empfinden gestört fühlen. Dieses Echo darf nicht verstummen!

“Die Verantwortung für Tiere, die man als Zoo hält und züchtet, endet nicht dort, wo es räumlich, finanziell oder organisatorisch unbequem wird.”
Laura Zodrow von Pro Wildlife

 

Für Jane Goodall zählt jedes Individuum und sie formuliert auch: “Je mehr wir über unsere nächsten Verwandten lernen, desto undeutlicher wird die Grenze zwischen Mensch und Tier.”

Und, so können wir hinzufügen, desto kritischer müssen wir unseren Umgang mit unseren Mit-Lebewesen betrachten.

Der Zoo Nürnberg plant die Tötung von bis zu 20 gesunden Guinea-Pavianen. Als Grund dafür wird „Populationsmanagement“ angegeben.

Die Pavian-Anlage wurde 2009 fertiggestellt und war für 25 Tiere vorgesehen. Inzwischen leben hier aber 45 Paviane und es gibt aufgrund der beengten Verhältnisse Spannungen und Konflikte in der Gruppe. Eine Erweiterung der Anlage sei nicht geplant, ließ die Zooleitung verlauten. Versuche von Geburtenkontrolle seien fehlgeschlagen oder nicht geplant, außerdem stammten alle Tiere von genau drei Weibchen ab, was die genetische Durchmischung gefährde. Der Zoo Nürnberg hält als einziger deutscher Zoo Guinea-Paviane, eine in ihrer natürlichen Heimat gefährdete Art. Die Verbringung in andere Zoos sei nicht möglich. Auswilderungsprojekte existieren zur Zeit nicht.

Einerseits erscheint es auf den ersten Blick mutig von Zoodirektor Dag Encke, mit diesem Vorhaben an die Öffentlichkeit zu gehen und den zu erwartenden Protesten die Stirn zu bieten. Vergleichbare Einrichtungen geben ihre „überzähligen“ Tiere ohne großes Aufhebens an Tierhändler ab, die die Tiere nicht selten in Hände weiterverkaufen, bei denen grundlegende Haltungsstandards nicht gewährleistet werden können (z. B. nach Russland oder China) oder Tötungen werden unter der Hand durchgeführt.

Zucht + Tötung = Populationsmanagement?

Andererseits kann man wohl kaum von „Populationsmanagement“ sprechen, wenn diese Entwicklung der Gruppe jahrelang vorhersehbar war und offensichtlich nicht genug zu ihrer Regulation unternommen wurde. Die Erklärung, man wolle ja möglichst viele gefährdete Tierarten erhalten, geht an der Realität vorbei: Möglichst viele, noch dazu sehr eng verwandte Nachkommen zu züchten und dann festzustellen, dass man nicht weiß, wohin damit, kann kein gangbarer Weg sein.

Solang die meisten Zoos viel zu viele Tierarten halten, um für ihre Besucher attraktiv zu bleiben, wird man immer wieder an die gleichen Grenzen stoßen.

Paviane zum Beispiel sind zwar höchst interessante Primaten und eng mit uns Menschen verwandt, sind aber eher keine Publikumslieblinge. Wenn dort nicht irgendwo ein süßes Baby hervorlugt oder freche Jungtiere herumsausen, werden sie kaum beachtet.

Hier soll offensichtlich ein Exempel statuiert werden. Geht diese Aktion ohne große öffentliche Widerstände durch, sind weiteren Tötungen dieser Art in deutschen Zoos Tür und Tor geöffnet, dabei wurden in den Statements bisher auch Menschenaffen und Zahnwale (Delphine, Orcas) nicht ausgenommen.

„Zoothanasie“

Bei den ‘überzähligen’ Pavianen handelt es sich um höchst intelligente, sozial hochorgansierte Primaten, die leiden, trauern und Freude empfinden können. Paviane haben eigene Persönlichkeiten und sind zu eindrucksvollen Problemlösungen fāhig.

Eine Tötung gesunder Tiere – und noch dazu Primaten – kann keine Lösung sein und lässt sämtliche ethische Ansprüche außer acht. Das Jane Goodall Institut Deutschland verurteilt dies aufs Schärfste.

Generell sollten Tiere in Zoos nur dann gezüchtet werden dürfen, wenn für sie ein artgerechtes Leben und eine natürliche Lebensdauer gesichert werden kann.

Jane Goodall nennt die Tötungen  ZOOTHANASIE – aus den Begriffen Zoo und Euthanasie (Sterbehilfe) – sozusagen “Sterbehilfe aufgrund unpassender Verhältnisse” und ruft immer wieder dazu auf, diese Praxis einzustellen.

Diese verstößt im Übrigen auch gegen das deutsche Tierschutzgesetz.

Autorin: Dr. med. vet. Ulrike Beckmann,Vorstandsvorsitzende & Wissenschaftliche Beratung Jane Goodall Institut Deutschland e. V.

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