Historische Primatenzählung im Bwindi Impenetrable Nationalpark zeigt: Mehr als 420 Schimpansen leben in der einzigen bekannten Region weltweit, in der Menschen, Schimpansen und Gorillas einen Lebensraum teilen – ein Meilenstein für Biodiversitätsforschung und Naturschutz.
München/Kampala, 25. Februar 2026 – Eine vom Jane Goodall Institute Deutschland unterstützte groß angelegte Primatenzählung im Bwindi Impenetrable Nationalpark im Südwesten Ugandas liefert wegweisende Erkenntnisse für den globalen Artenschutz. Erstmals liegt eine umfassende, evidenzbasierte Einschätzung der Population, Dichte und räumlichen Verteilung der Schimpansen in dieser Region vor. Die Studie ist von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung, da sie eine langjährige Wissenslücke schließt und eine belastbare Grundlage für künftige Schutzstrategien schafft.
Mehr als 420 nachgewiesene Schimpansen leben im Bwindi Impenetrable Nationalpark heute. Zum Vergleich: im Gombe Nationalpark, wo Jane Goodall in den 1960er-Jahren ihre bahnbrechende Langzeitstudie über Schimpansen begann, leben nur mehr 74 Individuen.
Ein 60-köpfiges Team aus Wissenschaftler:innen sowie Mitarbeitenden der Uganda Wildlife Authority und des Jane Goodall Institute Uganda legte entlang von insgesamt 77.029 Kilometern detaillierte Datensätze zu Sichtungen, Nestern, Fraßspuren und Exkrementen an.
Die zweimonatige Erhebung bestätigt, dass Schimpansen neben den weltweit bekannten Berggorillas ein wesentlicher Bestandteil der Primatenpopulation in Bwindi sind. Damit ist Bwindi die einzige bekannte Region der Welt, in der Menschen, Schimpansen und Gorillas dauerhaft denselben Lebensraum nutzen.
Dr. James Byamukama, Geschäftsführer des Jane Goodall Institute Uganda, betont die Tragweite der Ergebnisse: „Die gesammelten Daten bestätigen, dass Schimpansen nicht nur vereinzelt im Gebiet vorkommen, sondern einen wesentlichen Bestandteil im Ökosystem des Nationalparks darstellen.“
Im Rahmen einer Pressekonferenz in Kampala unterstrich er zudem die Bedeutung für künftige Schutzmaßnahmen: „Die Erstellung einer wissenschaftlich fundierten Grundlage zur Populationsgröße, -dichte und -verteilung der Schimpansen wird als Leitfaden für regionale Strategien zur Erhaltung der Biodiversität dienen. Gleichzeitig werden die wissenschaftlichen Daten Uganda dabei unterstützen, seine internationalen Verpflichtungen im Bereich Naturschutz und Klimaschutz zu erfüllen.“
Auch Dr. James Musinguzi, Geschäftsführer der Uganda Wildlife Authority, sieht in der Studie einen Meilenstein: „Die Ergebnisse der Bwindi-Schimpansen-Zählung sind ein wichtiger Meilenstein. Zum ersten Mal verfügen wir über klare wissenschaftliche Belege und können damit das Vorkommen einer bedeutenden und weit verbreiteten Schimpansen-Population im Bwindi Impenetrable National Park belegen.“
Die gewonnenen Erkenntnisse ermöglichen es Managemententscheidungen künftig noch stärker evidenzbasiert zu treffen, Initiativen zum Schutz des Ökosystems auszubauen und gleichzeitig die Lebensgrundlagen der angrenzenden Gemeinden zu sichern. Dies trägt zum besseren Schutz von Schimpansen und Gorillas sowie zur Vermeidung von Mensch-Wildtier-Konflikten bei.
Beitrag aus Deutschland und internationale Zusammenarbeit
Die Zählung wurde durch Beiträge mehrerer internationaler Partner:innen ermöglicht, darunter das Jane Goodall Institut Deutschland, und steht exemplarisch für die Bedeutung internationaler Kooperation im Naturschutz.
Weitere zentrale Ergebnisse der Zählung:
- Insgesamt wurden bei der ersten Erhebung rund 300 Schimpansen-Nester registriert (Gruppennester und Einzelnester), mit einer Nestfundrate von 3,06 Nestern pro Kilometer.
- Eine zweite Erhebung bestätigte diese Ergebnisse.
- Neben Schimpansen wurden auch Begegnungen mit Berggorillas, Diadem- und Rotschwanzmeerkatzen dokumentiert sowie Spuren von Waldelefanten in 73 % der untersuchten Gebiete.
- Menschliche Einflüsse wurden nur selten festgestellt (6 Fälle auf rund 77 km), was auf einen weitgehend intakten Lebensraum hinweist.
Die Zählung unterstützt die nationale Strategie zum Schutz der Schimpansen in Uganda (2023/24–2032/33), indem sie belastbare Daten liefert, um Populationstrends zu verfolgen, Lebensräume zu bewerten und gezielte Schutzmaßnahmen umzusetzen.
Hintergrund: Bedeutung für Wissenschaft und Naturschutz
Das Projekt zeigt eindrucksvoll, welche zentrale Rolle fundierte wissenschaftliche Forschung für den Erhalt von Biodiversität spielt. Die Ergebnisse liefern nicht nur neue Erkenntnisse über Populationsdynamiken und Ökologie großer Menschenaffen, sondern dienen auch als Grundlage für politische Entscheidungen, nachhaltige Landnutzung und internationale Naturschutzprogramme.
Pressekontakt
Yasmin Saruji I yasmin.saruji@janegoodall.de
Geschäftsleitung Jane Goodall Institut Deutschland



