Schimpansen - Jane Goodall Institut - Deutschland

Schimpansen

Menschen-Affen

Schimpansen heißen nicht umsonst „Menschen-Affen“: Sie sind uns näher als jedes andere Lebewesen

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Wohin mit heimatlosen Schimpansen?

Vom Jane Goodall Institut geführte oder unterstützte Schutzstationen

Schimpansen im Zoo

Warum kooperiert das Jane Goodall Institut mit Zoos, die Schimpansen halten?

Menschen-Affen

Schimpansen heißen nicht umsonst „Menschen-Affen“: Sie sind uns näher als jedes andere Lebewesen auf der Welt. Zwischen ihnen und uns gibt es viel mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede. Genetisch gesehen sind wir zu ca 98,5% identisch.

Unsere Beziehung zu anderen Primaten verändert sich: Je mehr wir über sie erfahren, desto mehr geraten unsere Vorstellungen von „Mensch gegenüber Tier“ ins Wanken.

Dr. Jane Goodall : „Schimpansen haben uns mehr als jedes andere lebende Wesen dabei geholfen zu verstehen, dass es zwischen Mensch und Tierreich keine scharfe Grenze gibt. Diese Grenze ist undeutlich und sie wird immer nur undeutlicher.“

13 Fakten über Schimpansen

#1
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Schimpansen haben ausgeprägte individuelle Charaktere. Keine Persönlichkeit ist wie die andere.
#2
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Schimpansen können kichern und lachen, sich verstellen und vor Trauer sterben.​
#3
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Schimpansen können kichern und lachen, sich verstellen und vor Trauer sterben.​
#4
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Schimpansen stellen Werkzeuge her und benutzen Waffen.​
#5
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Schimpansen können Strategien verfolgen und regelrecht Krieg führen.​
#6
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Schimpansen leben in komplizierten sozialen Gruppen, geprägt von Verwandtschaft, Zu- und Abneigung, Auseinandersetzung und Versöhnung.​
#7
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Schimpansen leben so lang wie Menschen: sie können über 60 Jahre alt werden.​
#8
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Schimpansen-Mütter begleiten ihre Kinder viele Jahre bis ins Erwachsenenalter und halten eine lebenslange Beziehung.
#9
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Schimpansen sind fähig zu Altruismus, Empathie, Wut und Verzweiflung.​
#10
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Schimpansen-Männer sind fünf- bis sechsmal so stark wie ein Menschen-Mann.​
#11
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Schimpansen besitzen ein großes Repertoire an Lauten und Gesten, deren Bedeutung auch wir Menschen spontan verstehen.​
#12
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Schimpansen können eine große Anzahl kurzer Sätze und Begriffe per Zeichensprache erlernen. Bei einigen kognitive Übungen sind sie uns Menschen weit überlegen.​
#13
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Schimpansen erkranken und sterben an vielen Krankheitserregern, die auch uns Menschen befallen.​
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Woher wissen wir all das?

Seit Jane Goodall in den 1960er Jahren als junge Forscherin ihre Studien an freilebenden Schimpansen in Gombe (Tansania) begann, entstand eine bislang ununterbrochene Forschungsreihe.
Mit einer Dauer von über 65 Jahren ist sie die längste jemals geführte Studie an einer Säugetierspezies. Auch heute leben und arbeiten Forscher verschiedener Disziplinen und Nationalitäten in Gombe mit den direkten Nachfahren der Schimpansengruppen von damals, deren einzelne Persönlichkeiten zum Teil Weltruhm erlangten.

Seit Jane Goodalls Pionierforschungen haben viele Wissenschaftler weltweit weitergeforscht und unzählige weitere Fakten und Daten zusammengetragen. Und doch vergeht kaum ein Tag, an dem nicht weitere verblüffende Entdeckungen gemacht werden – Erkenntnisse, die nicht nur unser Wissen über Schimpansen und andere Menschenaffen erweitern, sondern auch immer mehr Licht in das Dunkel unserer Menschwerdung bringen.

Jane Goodall mit Schimpansen David Greybeard.
David Greybeard war Jane Goodalls erster Vertrauter.

Wo gibt es noch Schimpansen und warum werden es immer weniger?

Ursprünglich gab es geschätzt über eine Million Schimpansen, weit verteilt auf die tropischen und subtropischen Gebiete des äquatorialen Afrika. Inzwischen sind die Schimpansen-Bestände auf geschätzt 172.000-300.000 in wenigen Ländern Mittel-Afrikas reduziert.

Wir, ihre nächsten Verwandten, sind gleichzeitig ihre größten Feinde: Die einstmals riesigen zusammenhängenden Waldgebiete schrumpfen immer mehr zu einzelnen Inseln. Grund dafür sind die Abholzung der Wälder zur Holz- und Farmland-Gewinnung, der wachsende Handel mit Wildfleisch (Bush Meat) und der Handel mit Jungtieren.

Ständig wachsende Bevölkerungen benötigen immer mehr Flächen für Landwirtschaft und bedrängen die letzten Gebiete von allen Seiten. Zwischen den einzelnen Urwald-Inseln gibt es kaum noch genetischen Austausch, weil die Tiere nicht mehr wandern können. Mensch und Schimpanse kommen sich immer näher. Das bedeutet immer mehr Interessenskonflikte.

Und immer mehr menschliche Krankheitserreger erreichen auch die Menschenaffen, die keine Abwehrmechanismen dagegen besitzen (z.b. Lungenentzündung, Kinderlähmung, Grippe). Auch z. B. Tollwut, von Hunden übertragen, spielt immer wieder eine Rolle in der Nähe von Siedlungen. Selbst das gefürchtete Ebola-Virus oder auch HIV infizieren gleichermaßen Menschen und Schimpansen. Erfahrungsgemäß ‘folgen’ die Seuchenzüge den Routen der Baumfäller, die immer schneller und tiefer in die Wälder eindringen.

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Wohin mit heimatlosen Schimpansen?

Vom Jane Goodall Institut geführte oder unterstützte Schutzstationen

Gerettete Schimpansen finden Platz in den Schutzstationen Tchimpounga, Chimp Eden und Ngamba Island. Oft sind es junge Schimpansen, die von den Behörden beschlagnahmt wurden und in die Schutzstationen gebracht werden. Auch wenn der Handel mit Schimpansenbabys inzwischen offiziell in vielen Ländern verboten ist, sieht die Realität vielerorts anders aus. Noch immer sind Menschenaffen-Kinder beliebte und teure Haustiere, bis sie sterben oder zu groß und untragbar werden. So kommen auch immer wieder erwachsene Schimpansen an, die zum Teil aus furchtbaren Haltungsbedingungen stammen.

Besonders tragisch ist auch, dass für ein gefangenes Schimpansenkind immer mehrere Familienmitglieder sterben müssen, weil sie es um keinen Preis im Stich lassen. Die Neuankömmlinge werden, soweit möglich, Schritt für Schritt in Gruppen sozialisiert und leben in sehr großen, naturnahen Gehegen. Viele dieser Kandidaten sind so traumatisiert, dass es oft Jahre dauert, bis sie ein halbwegs normales Affenleben führen können.

Die Babies und Kleinkinder werden Tag und Nacht von einer menschlichen Ersatzmutter betreut, die sie trägt, füttert und mit ihnen spielt. Die größeren lernen dann in Gruppen weiter, die von Schimpansen -„Tanten“ betreut werden. Die Kindergruppen ziehen jeden Tag gemeinsam mit ihren menschlichen Betreuern in den Wald, um das Leben draußen kennenzulernen. Einige dieser jungen Schimpansen können möglicherweise als Gruppe nach vielen Jahren Übung ausgewildert werden. Bei den älteren Tieren gelingt dies je nach Vorgeschichte eher selten.

Schutzstationen

Lernen Sie sie Schutzstationen Tchimpounga, Chimp Eden und Ngamba Island näher kennen.

Kann man sie nicht einfach wieder freilassen?

2011 gelang es dem Jane Goodall Institute DRK, im Koilou-Fluss nahe der Schutzstation drei bewaldete Inseln zu erwerben und so umzuwidmen, dass dort bis zu 120 Schimpansen semi-frei leben können.
Dort können sie noch beobachtet werden, bis sie Schritt für Schritt in ihre Selbstständigkeit entlassen werden. Auf den Inseln sind sie dabei dennoch ständig vor äußeren Einflüssen geschützt.

In Tchimpounga gibt es Gruppen, die fortwährend von Forschern beobachtet werden. Auch wenn viele der älteren Schimpansen nicht mehr ausgewildert werden können, gilt doch immer, dass jedes einzelne Individuum wichtig ist. Denn auch hier in menschlicher Obhut gelingen immer wieder spektakuläre und bewegende Beobachtungen, die uns weiter und weiter lernen lassen.

Die Inseln der Tchimpounga Schutzstation des Jane Goodall Instituts.
Das Tchimpounga Schutzgebiet und die drei Inseln der Schutzstation im Kouilou River.

Warum sind Schimpansen wichtig?

Ursprünglich wollte man das Verhalten freilebender Menschenaffen erforschen, um mehr über das Leben der frühen Menschenartigen zu erfahren. Das hat nie aufgehört: Auch heute können wir immer wieder Rückschlüsse auf unsere eigene Verhaltensentwicklung ziehen und haben noch längst nicht ausgelernt.

Schimpansen stehen stellvertretend für viele andere Tier- und Pflanzenarten, die weniger auffällig sind und sozusagen „in ihrem Windschatten“ verschwinden. Ein gutes Beispiel sind Samen aus Früchten, die nur von Schimpansen gegessen und mit ihrem Kot weit im Wald verteilt werden. Manche Baumarten können sogar nur nach so einer Darmpassage keimen. So wird der Baumbestand eines Waldes direkt durch die dort lebenden Schimpansen geprägt. Auch hier bilden wieder zahllose Kleinlebewesen das Geflecht eines einzigen Ökosystems. Der Tod weniger Arten kann das ganze Gleichgewicht für immer zerstören.

Sehr interessant ist auch die längst noch nicht abgeschlossene Erforschung der „Schimpansen-Apotheke“: Eltern geben an ihre Nachkommen weiter, welche Blätter und Pflanzenteile bei Beschwerden wie z.B.Parasitenbefall, Schmerzen oder Durchfall helfen. Hier können wir noch viel lernen.

Am Ende gilt: Lassen wir es zu, dass unsere nächsten Verwandten verschwinden, ist es auch mit uns Menschen nicht mehr lange hin.

Was kann ich tun?

Aktiv werden kann jeder sofort nach seinen eigenen Vorstellungen und Möglichkeiten. Keineswegs nur im fernen Afrika, sondern auch hier bei uns. Dabei gilt nicht nur die große Geldspende, sondern wie im Ökosystem ergibt erst die Summe aller Einzelleistungen ein florierendes Ganzes: Spenden, Patenschaften, Einzel- und Gruppen Initiativen, praktische Mithilfe als Volunteer im Institut, Teilen der Informationen.

Im Folgenden siehst du auch, was deine Unterstützung bewirkt. Einige der Tchimpounga-Schimpansen zeigen ihren Weg der Hoffnung:

Jane Goodall Kopf Icon
Jane Goodall und David Greybeard sitzen nebeneinander und nachdenklicher Position

Schimpansen im Zoo

Zoohaltung von Primaten und vor allem Menschenaffen ist immer ein Thema, das die Allgemeinheit sehr polarisiert. Für ein Wesen mit derart vielschichtigen Bedürfnissen und Ansprüchen kann es keine ideale Haltung geben.

Da es in unserer Realität jedoch selten um die Entscheidung : Haltung ja oder nein? geht, sondern um konkrete Fälle von Schimpansenhaltung, die beurteilt werden sollen, muss versucht werden, pragmatische Lösungen zu erreichen.

Hier kommen auch oft das Thema ‘Artenschutz versus Tierschutz’ zum Tragen, d. h. zum einen das Wohl des einzelnen Tieres, andererseits die Erhaltung der Art. Jane Goodall ist im Laufe ihrer langen Erfahrung zu folgendem Standpunkt gelangt:

Jane Goodall zur Zoohaltung

Warum kooperiert das Jane Goodall Institute mit Zoos, die Schimpansen halten?

Das JGI arbeitet mit Zoos in vielen Ländern zusammen, um dort die Bedingungen für gefangene Schimpansen und andere Tiere zu verbessern und Aufklärungsarbeit und Arterhaltungsprojekte zu fördern.

1. Meine Beziehung zu Zoos

Ich habe mich zum ersten Mal 1959 mit den häufig schlechten Haltungsbedingungen von Schimpansen in Zoos beschäftigt, als ich mit Ramona und Desmond Morris von der Granada Filmgruppe im Londoner Zoo arbeitete. Zu dieser Zeit lebten die zwei erwachsenen Schimpansen und ein Gorilla dort unter schrecklichen Bedingungen. Ich schwor mir damals, dass ich alles tun werde, um die Not von Zootieren zu lindern. Als ich von meiner ersten Feldforschung zurückkam, bat ich einen Freund, eine „Honig-Box“ zu bauen, damit die Schimpansen ihre Fähigkeit, Werkzeuge zu benutzen, einsetzen konnten, und etwas gegen ihre quälende Langeweile unternommen wurde. Ich gab dem Zoo diese Box, aber sie wurde nie benutzt – es war für die Pfleger zu viel Mühe sie zu füllen. Es gelang mir jedoch, den Zoo zu überzeugen, den Schimpansen geeignete natürliche Flächen zu bieten, so dass sie dem Beton entkommen konnten, und auch eine Überdachung im Außengehege, um in der Sommerhitze Schatten zu haben.

Seit dieser Zeit hat es wesentliche Veränderungen in den Zoos der ganzen Welt gegeben. Die Tierpfleger vom alten Schlag wurden abgelöst von Personal, das die Bedürfnisse ihrer Schimpansen (und der anderen Tiere) versteht und sich wirklich um ihr Wohlergehen kümmert. Damit ist es einfacher geworden, für die Art von geistiger Anregung zu sorgen, die Tiere mit großen Gehirnen brauchen. Außerdem gab es erhebliche Verbesserungen der Haltungsbedingungen. Zum Teil, weil wir viel mehr über die Bedürfnisse von verschiedenen Tieren wissen, durch Studien in der freien Wildbahn, die dann oft als Dokumentationen im Fernsehen ausgestrahlt wurden. Daher bewirkt heute häufig der Druck durch die Öffentlichkeit, dass Zoo-Verwaltungen Geld in den Bau besserer, geeigneterer Gehege investieren.

2. ChimpanZoo

l984 initiierte ich JGIs ChimpanZoo-Programm in einer ausgewählten Gruppe amerikanischer Zoos. Obwohl dieses Programm eine Forschungs-Komponente hat, ist eine seiner wichtigsten Funktionen, das Leben der einzelnen Schimpansen zu verbessern, insbesondere durch die Bereitstellung  von Enrichment-Aktivitäten. Pfleger und Verwalter werden eingebunden, und einmal jährlich kommen Zoo-Personal und Forscher auf einer Konferenz zusammen, um Informationen auszutauschen und Probleme zu diskutieren.

Heute wird ChimpanZoo in verschiedenen anderen Ländern auf der ganzen Welt umgesetzt. Leider gibt es auch heute noch Hunderte Schimpansen, die unter äußerst schlechten Bedingungen gehalten werden. Manchmal ist es möglich solche Zoos zu schließen und die Tiere in Auffangstationen zu geben (was JGI in Kongo-Brazzaville getan hat und für einige Schimpansen in Uganda). Oft aber ist das Beste, was wir tun können, das Leben der gefangenen Tiere so gut es geht zu verbessern. Und wir haben Handbücher verfasst und in verschiedene Sprachen übersetzt, die ganz einfache Möglichkeiten beschreiben, den Tieren Anregungen zu bieten.‘

3. Wie Schimpansen in der Realität leben

Natürlich ist auch eine gute, moderne Anlage (wie jene im Edinburgher Zoo, die eher Schutzgebiet ist), nicht mit dem natürlichen Lebensraum zu vergleichen. Tragischerweise nimmt die Wildnis auf der ganzen Welt stetig ab, in dem Maße wie die Weltbevölkerung wächst, und so viele Bereiche, die den Wildtieren Zuflucht und Schutz bieten sollten, sind von illegaler Wilderei und Abholzung bedroht. Die sinkende Zahl von Schimpansen (und anderer Arten) lebt nun in kleinen Waldstücken, die von Ackerland und fortschreitender Desertifikation umgeben ist. Auf Grund der Inzucht gibt es nur wenig Hoffnung für das langfristige Überleben dieser Gruppen. In vielen Lebensräumen haben Schimpansen eine Hand oder einen Fuß in den Drahtschlingen der Jäger verloren. Sie können den Draht brechen, aber nicht die angezogene Schlinge entfernen. Im Kongobecken, der letzten Festung der afrikanischen Menschenaffen, dezimiert der Bushmeat-Handel – die kommerzielle Jagd auf wilde Tiere als Lebensmittel – ihre Populationen. (Und hinterlässt Hunderte von verwaisten Schimpansen, Bonobos und Gorillas, deren Mütter geschossen und als Fleisch verkauft wurden).

In einer idealen Welt würden alle Tiere ein freies Leben in der Wildnis leben, sicher vor Störungen durch den Menschen. Die traurige Wahrheit ist, dass ein relativ großer Anteil der übriggebliebenen wilden Schimpansen umgeben von Gefahren lebt, die der Mensch verursacht…

4. Aufklären und Bewusstmachen

Zweifellos ist es für jeden, der einmal die Gelegenheit hatte, einem ruhigen, entspannten erwachsenen Schimpansen tief in die Augen zu sehen, eine überwältigende Erfahrung. (Das gleiche gilt für Gorillas, Elefanten und andere ich-bewusste Tiere). Die überwiegende Mehrheit der Menschen wird in der Wildnis nie ein solches Erlebnis haben. So viele Menschen haben mir von Vorfällen in Zoos erzählt, die für immer ihre Wahrnehmung der Tiere verändert haben. Studenten, die an der Datenerhebung für unser ChimpanZoo-Programm arbeiteten, haben mir gesagt, sie hätten sich nie vorstellen können, dass es Tiere mit solch vielfältiger Persönlichkeit gibt, die so viele Emotionen zeigen können…Und wenn das Bewusstwerden des Problems auf die Erkenntnis trifft, dass es einen Weg gibt, der Art in freier Natur zu helfen, werden viele Menschen plötzlich aktiv.

5. Schlussfolgerungen

Das JGI arbeitet weiter daran, immer mehr über Schimpansen und deren Verhalten zu lernen, um dabei zu helfen, sie in freier Wildbahn zu schützen und die Bedingungen für diejenigen, die in Gefangenschaft leben, zu verbessern. Wir arbeiten mit anderen Organisationen und Regierungen zusammen, um den Handel mit Buschfleisch zu kontrollieren und um das Leben der Dorfbewohner zu verbessern und sie am Naturschutz zu beteiligen. Wir entwickeln Bildungsprogramme in Afrika und anderen Teilen der Welt. Wir bemühen uns, das Bewusstsein und Verständnis für die Schimpansen und deren Notlage zu wecken und durch die Veröffentlichung von Büchern und Filmen zu erhöhen, auch durch mein weltweites Jugend-Programm Roots & Shoots. Es gibt eine enge Zusammenarbeit zwischen einigen Zoos und Roots & Shoots – die Schüler beobachten die Schimpansen, lernen über sie und nehmen R & S Materialien mit, die sie ermutigen, die Ärmel hoch zu krempeln und Projekte zu entwickeln, die dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, für Tiere, Menschen und Natur.

Wenn wir bloß die Dinge in freier Wildbahn verbessern und das langfristige Überleben der Schimpansen (und anderer Tiere) in den verbleibenden Wildgebieten der Welt sicherstellen könnten, dann könnten wir auch für das Ende aller Zoos plädieren.

Anm. der Red:aktion:

Natürlich ist es grundsätzlich sehr nachvollziehbar, die ‘Freilassung aller Menschenaffen aus den Zoos’ zu fordern. Viele Schimpansen z.B. werden in Einrichtungen gehalten, deren Ausstattung und Orientierung nicht dem Stand der Forschung entsprechen, d.h. sie bieten nicht die Bedingungen, die wir für eine artgerechte Haltung für erforderlich halten. Das Jane Goodall Institut Deutschland wird immer wieder über solche Einrichtungen informiert. Selbst wenn in diesen Einrichtungen die Erkenntnis schon gereift ist, dass solch eine Haltung am Besten aufgegeben werden sollte, liegt das größte Problem in der Realität:

Wohin mit den Schimpansen?

In der Regel handelt es sich um erwachsene, oft ältere Tiere verschiedenster Herkunft, geprägt durch verschiedenste Erfahrungen und oft mit ausgeprägten Verhaltensauffälligkeiten. Erwachsene Schimpansen aus jahrelanger schlechter Haltung können zwar theoretisch zumindest teilweise rehabilitiert werden, wie es zum Beispiel in den Sanctuaries des Jane Goodall Instituts und anderer Organisationen gehandhabt wird. Diese Sanctuaries liegen in den Heimatländern der Schimpansen und sind stets an der Obergrenze ihrer Kapazitäten. Sie müssen vor Ort immer mehr konfiszierte Schimpansen aus dem Bushmeat-Handel und Privathaltung aufnehmen und stets auch Plätze für Notfälle vorhalten. Alle diese Plätze verursachen hohe ständige Kosten und müssen auch für viele Jahre vorgeplant werden, denn Schimpansen werden bekanntlich sehr alt.

In Europa und auch weltweit gibt es ansonsten nur sehr wenige Auffangplätze für Schimpansen, die meist auch an ihren Kapazitätsgrenzen sind. Zusätzliche ‘Problemfälle’ aus Zoos und anderen Haltungen können zudem oft schwierig oder überhaupt nicht in neue Gruppen integriert werden und brauchen individuelle Lösungen. Dies alles erschwert die Unterbringung bereits existierender Tiere enorm und scheitert meist schon an der Finanzierung.

Deshalb jedoch ist es umso wichtiger, Nachzucht von Menschenaffen nur an solchen Orten durchzuführen, die sich dafür auch eignen und die auch langfristig Bedingungen und Kapazitäten für eine wachsende Anzahl von Individuen bieten können. Und die auch auf unvorhersehbare Ereignisse vorbereitet sind, wie zum Beispiel verwaiste oder akut hilfebedürftige Jungtiere oder Tiere, die aus ihren Gehegen entkommen.

Dies sind Themen, die dringend Gegenstand der Diskussion sein sollten.

Dr. Ulrike Beckmann, Vorstandsvorsitzende des Jane Goodall Instituts Deutschland e. V.

Hinweis zu Bildern: Das Jane Goodall Institut rät von jeder Art von körperlichem Kontakt zu oder sonstiger Einflussnahme auf wilde Schimpansen dringend ab. Die hier abgebildeten Schimpansen wurden aus lebensbedrohlichen Umständen befreit bzw. beschlagnahmt und werden nun im Tchimpounga Chimpanzee Rehabilitation Centre des Jane Goodall Instituts der Republik Kongo betreut bzw. es handelt sich um historische Aufnahmen aus der Frühzeit der Schimpansenforschung.

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„Nur wenn wir verstehen, können wir uns kümmern. Nur wenn wir uns kümmern, können wir helfen. Nur wenn wir helfen, können wir das Leben retten.“

Jane Goodall

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