Trophäenjagd heute - Jane Goodall Institut - Deutschland

Trophäenjagd heute

Ausgestopfter Tiger als Opfer der Trophäenjagd.
Trophäenjagd? Im Ernst: Antilopenkopf an der Wand und Tigerfell als Teppich? Ist das nicht etwas aus vergangenen Jahrhunderten? Keineswegs: Wussten sie, dass Deutschland nach den USA weltweit der größte Importeur von Jagdtrophäen ist?

Heute sind mehr Arten von der Ausrottung bedroht als jemals zuvor. Eine der Hauptursachen ist die direkte Ausbeutung von Tieren, einschließlich der Jagd. Sogar Arten, die durch das Washingtoner Artenschutzabkommen (CITES) international geschützt sind oder auf der Roten Liste gefährdeter Arten stehen, werden jedes Jahr zu Tausenden getötet. Dazu gehören Elefanten, Nashörner, Eisbären, aber auch Großkatzen wie Löwen und Leoparden.

Das Ziel dieser Jagd ist es, besonders große oder herausragende Trophäen – zum Beispiel Stoßzähne, Hörner oder Felle – zu erlangen. Je seltener eine Art ist, desto teurer der Abschuss. Um dieses elitäre und blutige Hobby zu rechtfertigen, schiebt die Jagdlobby –  Veranstalter und Jäger in Deutschland und den Zielländern – Argumente vor, die suggerieren sollen, es handele sich bei diese Jagd um nachhaltige, sogar ethisch vertretbare Praktiken. Diese Argumente halten einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht stand. Tier- und Artenschutzverbände widerlegen die Behauptungen der Jagdlobby mit Fakten.

Immer wieder wird zum Beispiel betont: „Trophäenjagd ist Artenschutz“. Dabei lässt sich sehr gut belegen, dass die Trophäenjagd direkt und indirekt zur Reduktion der Bestände bedrohter Tierarten beiträgt.

Im Januar 2023 fand die größte jährliche Jagdmesse Europas, die „Jagd und Hund“ in Dortmund, wieder statt. Dort bieten u.a. über 80 Veranstalter Pauschalreisen an, deren Teilnehmer sehr viel Geld dafür bezahlen, Wildtiere zu erlegen, vor allem in afrikanischen Ländern, z.B. Namibia und Südafrika. Die Trophäen dürfen dann ganz legal nach Deutschland eingeführt werden. Im Jahr 2022 hat das Bundesamt für Naturschutz keinen einzigen Antrag auf Import von Jagdtrophäen abgelehnt.

Jagdmesse „Jagd und Hund“ in Dortmund bietet Trophäenjagt auf geschützte Tiere an.
Angebot auf der Jagdmesse „Jagd und Hund“ in Dortmund.

Das Jane Goodall Institut Deutschland schloss sich 2022 einem großen Verbund von 29 weiteren Tier- und Naturschutzorganisationen an. Wir setzen uns dafür ein, dass die Einfuhr von Trophäen bedrohter Arten endlich gesetzlich verboten wird. Im Vorfeld der Jagdmesse ging auch dieses Jahr ein offener Brief an die Dortmunder Stadtverwaltung (OB Thomas Westphal, SPD) als Träger der Veranstaltung. Sie wird dazu aufgefordert, Anbieter von Trophäenjagdreisen nicht mehr zuzulassen.

Jane Goodall schickte eine Videobotschaft und äußerte sich dazu wie folgt:

"Die Tatsache, dass die Trophäenjagd auf seltene und gefährdete Tiere noch immer legal ist, ist absolut schockierend. Bitte stoppen sie den Verkauf organisierter Trophäen-Jagdreisen in den Stadthallen Dortmund und unterstützen sie Tierschutz und Arterhaltung!“

Auch in diesem Jahr kam die Stadtverwaltung Dortmund dieser Aufforderung bisher nicht nach. Sie kündigte lediglich – wie bereits im Jahr 2022 – die Einrichtung einer Ethik-Kommission an. Wir führen unsere Proteste fort. Eine ansehnliche Anzahl an Medien, darunter WDR, tagesschau, rtl, n-tv und Stern, berichtete.

Die Populationen vieler bejagter Arten haben dramatisch abgenommen. In vielen Fällen werden Tierbestände bejagt, obwohl keine gesicherten Erkenntnisse über die Populationsgröße und -entwicklung vorliegen. Inzwischen lässt sich mit Sicherheit sagen, dass durch die Trophäenjagd – also die Tötung besonders gut entwickelter Tiere aus Profitgier und als Urlaubsbeschäftigung – nicht nur die Tiere direkt sterben, sondern indirekt auch ökologische Zusammenhänge missachtet und zerstört werden. Auf diese Weise werden die Bestände bedrohter Arten vielfach weiter reduziert und auch Populationen bisher noch nicht gelisteter Arten gefährdet.

Auch aus Afrika meldet sich Kritik: „In den meisten afrikanischen Ländern wurden auf Druck internationaler Naturschutzorganisationen drakonische Strafen auf die Wildtierjagd eingeführt. Gleichzeitig dürfen jedoch reiche, meist westliche Jäger mit teuren Abschusslizenzen geschützte Wildtiere erlegen – in den Augen der Afrikaner eine gewaltige Ungerechtigkeit. Afrikaner haben eine tiefe Abneigung gegen den neokolonialen Charakter der Trophäenjagd“ schreibt Stefania Falcon von Wild Animal Protection Forum South Africa (WAPFSA) in einem offenen Brief.

Jane Goodall bemerkte dazu schon vor vielen Jahren:

„Die Tage des großen weißen Jägers sind vorbei.“

Import von Jagdtrophäen nach Deutschland

Bereits im April 2022 kündigte Umweltministerin Steffi Lemke Restriktionen bei der Einfuhr von Jagdtrophäen an. Nun zog das Landwirtschaftsministerium nach und meldete den Ausstieg aus dem CIC (Internationaler Rat zur Erhaltung des Wildes und der Jagd) zum 31.12.2022. Die Antwort auf eine kleine Anfrage der CDU/CSU schaffte nun Klarheit: Eine Bejagung von Arten, die im Bestand bedroht sind, sollte grundsätzlich nicht erfolgen, heißt es. Leider ist es von seiten des Umweltministeriums bisher bei einer Ankündigung geblieben. Es soll auch nicht der Import von Jagdtrophäen an sich beschränkt werden, sondern es wird sehr wahrscheinlich um jede einzelne gefährdete Tierart verhandelt werden müssen.

„Deutschland als Schlüsselland in der EU muss endlich Verantwortung übernehmen und den unnötigen Abschuss unzähliger bedrohter Tiere stoppen.“

„In einer Zeit, in der mehr Tierarten vom Aussterben bedroht sind als jemals zuvor, muss jede zusätzliche Gefahr für den Fortbestand der Arten ausgeschlossen werden… Ein Importverbot von Jagdtrophäen geschützter Tierarten nach Deutschland ist europarechtskonform und umsetzbar. Wir erwarten, dass die Bundesregierung zeitnah handelt.“

In einer aktuellen Umfrage sprechen sich 89 Prozent der Bundesbürer:innen gegen die Einfuhr von Jagdtrophäen nach Deutschland aus. In Südafrika, gemeinsam mit Namibia eine der beliebtesten Destinationen für deutsche Jagdtourist*innen, lehnen 68% der Befragten, unabhängig vom sozialen Hintergrund, die Trophäenjagd ab.

Dazu auch Dr. Mona Schweizer von PRO WILDLIFE, federführend in der Initiative:

„Wir sehen eine zunehmende Ablehnung der Trophäenjagd weltweit. Die Menschen haben kein Verständnis dafür, dass sich einige Wenige das vernichtende Privileg erkaufen, bedrohte Tiere zum Spaß und für ihre private Trophäensammlung zu töten. Gleichzeitig versucht die internationale Gemeinschaft händeringend und mit viel Geld, diese Arten vor dem Aussterben zu bewahren – für uns alle und unsere zukünftigen Generationen. Wir fordern ein Importverbot dieser Jagdtrophäen nach Deutschland - ein längst überfälliger Schritt.“

Mehrere europäische Länder haben sich bereits verpflichtet, die Einfuhr von Jagdtrophäen zu stoppen. Frankreich, die Niederlande, Finnland und Belgien haben bereits – oder werden absehbar – Einfuhrbeschränkungen erlassen. Außerdem hat das Europäische Parlament 2022 eine Resolution angenommen, die die Beendigung der Einfuhr von Jagdtrophäen geschützter Arten fordert.

ZDF frontal

Autor: Dr. Ulrike Beckmann, Jane Goodall Institut Deutschland

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